Französische Kirche zu Berlin

Kirchengebäude

Errichtet wurde die Französische Kirche zu Berlin in den Jahren 1701–1705 durch Jean Louis Cayart (1644–1702) und Abraham Quesnay (1660–1726). Der Bau entstand in Anlehnung an den 1623 außerhalb von Paris angelegten „Temple“ von Charenton, der der zentrale Versammlungsort der französischen Reformierten bis zu dessen Abriss durch Katholiken 1685 war. Der ursprüngliche Name der Französischen Kirche war „Temple de la Friedrichstadt“ oder „Kirche auf der Friedrichstadt“. Ihren Turm erhielt die Kirche 1780–1785 durch Carl Philipp Christian von Gontard (1731–1791) und Georg Christian Unger (1743–1799).


1905/1906 wurde die Französische Kirche außen und innen durch Otto March (1845–1913) nach den Vorstellungen der Wilhelminischen Zeit umgebaut. Die Pfeiler im Inneren der Kirche wurden massiver und mit Stuck dekoriert. Die Kanzel wurde von der Nord- an die Ostseite gerückt. Über dem Kanzelkorb wurde eine geschnitzte Königskrone angebracht. Der Haupteingang wurde von der Süd- an die Westseite verlegt. Die Westfassade erhielt einen dreiachsigen Mittelrisalit mit Pilastergliederung. Die Giebelkrönung zieren drei Figurengruppen. Diese zeigen hugenottisches Leben. Geschaffen wurden sie von Ernst Müller-Braunschweig (1860–1928), George Morin (1874–1950) und Martin Schauß (1867–1927).


1944 wurde die Französische Kirche stark zerstört. Die Gemeinde hielt daraufhin ihre Gottesdienste bis 1982 im 1930 eingerichteten Erman-Saal ab, der sich im Turm befand. Dieser Saal existiert heute nicht mehr.


Ab 1977 begann der Wiederaufbau des Gotteshauses durch Richard Paulick (1903–1979) nach der Gestaltung der Kirche im Jahr 1905. Dabei wurde der Kirchsaal um ein halbes Geschoss erhöht, so dass ein Untergeschoss gewonnen wurde. Im Untergeschoss befindet sich der Georges-Casalis-Saal, im Obergeschoss die Kirche. Zugängig sind die beiden Räume über Treppen. Links neben dem Eingang befindet sich an der Fassade eine Bronzetafel, die die Ansicht der Französischen Kirche und ihren Grundriss zeigt. Außerdem sind dort die Daten der Erbauung, des Um- und Wiederaufbaus sowie deren Architekten erwähnt. Geschaffen wurde die Bronzetafel von Achim Kühn (1942– ) 1985. Wiedereröffnet wurde die Französische Kirche 1983.


Die Französische Kirche ist über einem ovalen Grundriss erbaut. Der Kirchraum der Französischen Kirche ist in Grau, Weiß und Grün gehalten. An der Ostseite befindet sich die Kanzel aus dem Jahr 1705. Darunter steht der Abendmahlstisch aus demselben Jahr. Über dem Eingang, an der Westseite der Kirche befindet sich die Orgelempore. 1754/1755 wurde die Orgel von Leopold Christian Schmaltz geschaffen. Diese wurde 1905 unter Verwendung des Prospekts von den Gebrüdern Dinse erweitert. Das Orgelprospekt ist mit einem von einem Strahlenkranz umgebenen Auge Gottes und vergoldeten Dekor verziert. Das Orgelprospekt aus der Ursprungszeit der Kirche wurde beim Wiederaufbau anhand von Fotos rekonstruiert. Das Orgelinnere wurde, da es nicht ausreichend Aufzeichnungen über die alte Orgel gab, 1985 von der Bautzener Orgelbaufirma Hermann Eule neu konzipiert. Geschaffen wurde eine Orgel, auf der die französische Musik des 18. Jahrhunderts gut spielbar ist und die sich an die französische Orgelbauweise des 18. Jahrhunderts anlehnt. Die Orgel verfügt über 31 Register.


Der Turm 68 m hohe Turm, der an die Französische Kirche im 18. Jahrhundert angebaut wurde, war Staatseigentum. Der Turm war ein Teil des städtischen Verschönerungsprogramms des preußischen Königs Friedrich II. (1712–1786) und nicht der Plan der französischen Gemeinde. Die französische Gemeinde erhielt jedoch das Nutzungsrecht für den Turm, da sie für den Turmbau das Gelände ihres Friedhofs aufgeben musste. An drei Seiten besitzt der Turm Portiken mit jeweils sechs korinthischen Säulen. Es wird der Eindruck erweckt, man ginge in einen antiken Tempel. Die Giebelfelder zeigen aber christliche Szenen. Es sind Episoden aus dem Leben Jesu Christi: Jesus und die Samariterin, die Bergpredigt und der Gang nach Emmaus. Geschaffen wurden sie von Föhr und Emanuel Bardou (1744–1818) nach Zeichnungen von Christian Bernhard Rode (1725–1797) unter Mitwirkung von Daniel Chodowiecki (1726–1801). Der Tambour ist von zwölf Säulen in korinthischer Ordnung eingefasst. Die Kuppel ist mit Kupfer gedeckt. Das französische Konsistorium erstellte das Bildprogramm für den Turm. Die auf der Turmkuppel stehende Figur ist die triumphierende Religion. Die Hugenotten wollten mit der Statue den Triumph ihrer Religion über den Katholizismus, aber auch den Triumph der Religion über den Tod darstellen. Die Figur steht mit dem Fuß auf einem Totenschädel. Die ursprüngliche kupferne Statue von Heinrich Friedrich Kambly (1750–1801) wurde 1944 zerstört. 1985 schuf Fritz Kühn (1910–1967) die 7 m hohe Skulptur neu. Am Turm befinden sich Tugendallegorien.


Der Turm besitzt eine Aussichtsbalustrade in der Höhe von 40 Meter. Zu erreichen ist sie über 284 Stufen. Im Turm hängt ein Glockenspiel mit 60 Glocken, das regelmäßig zur vollen Stunde spielt (Montag bis Sonnabend zwischen 10 und 18 Uhr). Es wurde vom Feingusswerk Pößneck gegossen und in Neustadt an der Orla erbaut. Die größte Glocke wiegt 5 700 kg. Das Glockenspiel hat ein Gesamtgewicht von 29 000 kg. Es ist das zweitgrößte Glockenspiel Berlins.


Im 19. Jahrhundert befand sich im Turm die Französische Domschule, eine Elementar- und Mittelschule für Jungen und Mädchen. Unterrichtet wurde nach Geschlechtern getrennt. Auch die Dienstwohnung des Schulleiters befand sich im Turm. Seit 1929 ist im Turm der Französischen Kirche das Hugenottenmuseum untergebracht. Es wurde 1935 anlässlich des 250. Jahrestages des Edikts von Potsdam feierlich eröffnet. Zu diesem Zeitpunkt erhielt auch das Calvin-Relief rechts neben dem Eingang zur Französischen Kirche seinen Platz. Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs wurde der Turm der Französischen Kirchen 1987 wiedereröffnet.

Gemeindezentrum

In Halensee hat die Französische Gemeinde zu Berlin einen weiteren Standort. Das Gemeindezentrum mit dem Coligny-Saal ist der Ort des Gemeindelebens und der Verwaltung der Französischen Kirche. Nach dem Mauerbau war den Gemeindegliedern, die im westlichen Teil Berlins lebten, der einfache Zugang zu den Gottesdiensten in der Kirche am Gendarmenmarkt verwehrt. Aus diesem Grund wurde der Coligny-Saal in Halensee erbaut. Er ist im Stil der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts gehalten. Noch heute werden dort einmal im Monat (an jedem 3. Sonnabend) Gottesdienste gehalten.

Kirchengemeinde

Die Französische Kirche zu Berlin ist eine Personalgemeinde. Jede und jeder, die / der evangelischen Glaubens ist, kann Mitglied der Französischen Kirche werden. Die Französische Kirche ist eine Gemeinde mit eigener Verfassung innerhalb der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO). Gemeindeglieder zahlen die Kirchensteuer direkt an die Gemeinde.
Auf www.franzoesische-kirche.de stellt die Kirchengemeinde ihr theologisches Profil vor: „Im Mittelpunkt unserer Gottesdienste steht die Predigt. Sie soll nach unserem Verständnis in erster Linie theologisch fundierte Schriftauslegung sein. Texte der hebräischen Bibel („Altes Testament“) kommen im Gottesdienst ebenso zu Wort wie die der Apostolischen Schriften („Neues Testament“). Gebete, Psalmen und Lieder beziehen sich auf das theologische Thema der Predigt. Ein Kennzeichen der französisch reformierten Tradition im Gottesdienst ist die Eröffnung des Gottesdienstes durch ein Gemeindemitglied (Lecteur / Lectrice) und die Verlesung der Zehn Worte der Weisung Gottes (Zehn Gebote) sowie der Summe des Gesetzes. Als Lehrtext werden im Gottesdienst neben den traditionellen Bekenntnistexten (Confession de foi, Heidelberger Katechismus, Barmer Theologische Erklärung) zunehmend neuere Bekenntnisformulierungen vorgelesen.“

Adresse

Französische Kirche zu Berlin
Joachim-Friedrich-Str. 4
10711 Berlin
Telefon: 030 / 892 81 46
03328 / 349 041
Fax: 030 / 893 23 96
Internet: www.franzoesische-kirche.de

Adresse der Kirche

Französische Kirche zu Berlin
Gendarmenmarkt 5
10117 Berlin

U Französische Straße, U Stadtmitte, Bus 147 Französische Straße, Bus 100, 200, TXL Unter den Linden / Friedrichstraße

E-Mail Adressen

kaiser(at)französische-kirche.de
waechter(at)franzoesische-kirche.de

Allgemeine Informationen

Die Französische Kirche zu Berlin ist eine offene Kirche. Sie können sie Dienstag bis Sonntag zwischen 12 und 17 Uhr besuchen. In der Französischen Kirche finden Sie auch das Hugenottenmuseum. Es ist von Dienstag bis Sonntag von 12 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 3,50 €, ermäßigt 2 €.

Links

Bildergalerie Französische Kirche Berlin Mitte

Französische Kirche Berlin Mitte Außenansicht Thumbnail Image
Französische Kirche Berlin Mitte Außenansicht
Französische Kirche Berlin Mitte Außenansicht
Französische Kirche Berlin Mitte Figur des Aron Thumbnail Image
Figur des Aron
Französische Kirche Berlin Mitte Figur des Aron
Orgel im Kirchsaal Französische Kirche Berlin Mitte Thumbnail Image
Orgel im Kirchsaal
Orgel im Kirchsaal Französische Kirche Berlin Mitte
Calvinfigur mit Tafel Französische Kirche Berlin Mitte Thumbnail Image
Calvinfigur mit Tafel
Calvinfigur mit Tafel Französische Kirche Berlin Mitte
Kirchsaal Französische Kirche Berlin Mitte Thumbnail Image
Kirchsaal
Kirchsaal Französische Kirche Berlin Mitte
  • Pfarrer Jürgen Kaiser
    Pfarrer Jürgen Kaiser
  • Jürgen Kaiser

    3 Fragen an Pfarrer Jürgen Kaiser

    Was ist Ihnen wichtig Herr Pfarrer?

    „Mir ist wichtig dass, wir Gottes begeisterndes Wort in Ohr und Herz und sein Reich im Blick behalten.“

    Was ist für Ihre Arbeit als Pfarrer wichtig?

    „Für meine Arbeit als Pfarrer ist mir wichtig, dass wir in unserer Arbeit die richtige Balance zwischen Verlässlichkeit und Gelassenheit, zwischen Ernst und Humor finden.“

    Was ist Ihnen in Ihrem persönlichen Leben wichtig?

    „In meinem Leben sind mir meine Familie, mein Klavier und meine Hängematte besonders wichtig.“

  • Werdegang

    Werdegang

    1963 in Saarbrücken geboren, wuchs ich im saarländischen St. Ingbert auf. Nach dem Abitur habe ich Ev. Theologie in Erlangen, Heidelberg und Bern studiert.

    Nach dem kirchlichen Examen in Speyer wurde ich wissenschaftlicher Mitarbeiter und Assistent von Prof. Gottfried Seebaß in Heidelberg. 1994 promovierte ich in Heidelberg mit einer Arbeit über die Deutungen des Sabbats in der Reformationszeit. Von 1993 bis 1996 absolvierte ich das Vikariat in Bad Dürkheim und war danach Pfarrer in Germersheim am Rhein (Ev. Kirche der Pfalz). Seit 2003 bin ich Pfarrer der Französischen Kirche zu Berlin (Hugenottengemeinde).

    Verheiratet bin ich mit Sabine Beuter, die Pfarrerin in der Ev. Berufsschularbeit ist. Wir haben zwei Kinder.

  • Kontakt

    Zu erreichen ist Pfarrer Jürgen Kaiser wie folgt:

    Joachim-Friedrich-Str. 4
    10711 Berlin
    Telefon Festnetz: 030 / 892 81 46
    Telefon Mobilfunk: 03328 / 349 041
    Fax: 030 / 893 23 96
    E-Mail: kaiser(at)franzoesische-kirche.de

    Um sich mit Pfarrer Kaiser in Kontakt zu setzen, können Sie auch das Kontaktformular benutzen.

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  • Pfarrerin Meike Wächter
    Pfarrerin Meike Wächter
  • Meike Wächter

    3 Fragen an Pfarrerin Waechter

    Was ist Ihnen wichtig Frau Pfarrerin?

    „Mir ist wichtig, dass die unterschiedlichen Menschen, die in einer Kirchengemeinde zusammen kommen, respektvoll und freundlich miteinander umgehen. Mir ist wichtig, dass die Menschen mit ihren Fragen, ihren Sorgen und ihrer Hoffnung willkommen sind. Mir ist wichtig, dass ein Leben Gott zur Ehre und uns zur Freude gemeinsam gelingen mag.“

    Was ist für Ihre Arbeit als Pfarrerin wichtig?

    „Für meine Arbeit als Pfarrerin ist mir wichtig, dass Strukturen und Verwaltung die Gemeindearbeit nicht erdrücken sondern ihr dienen sollen.“

    Was ist Ihnen in Ihrem persönlichen Leben wichtig?

    „In meinem Leben ist mir meine Familie besonders wichtig.“

  • Werdegang

    Werdegang

    Meike Waechter (*1972), Studium der Evangelischen Theologie in Berlin, Tübingen und Amsterdam, zwei Jahre Pfarrerin für Studierende am Theologischen Konvikt Berlin, seit 2007 Pfarrerin der Französischen Kirche Berlin, verheiratet, zwei Kinder.

  • Kontakt

    Zu erreichen ist Pfarrerin Meike Waechter wie folgt:

    Joachim-Friedrich-Str. 4
    10711 Berlin
    Telefon: 030 / 892 81 46
    Fax: 030 / 893 23 96
    waechter(at)franzoesische-kirche.de

    Um sich mit Pfarrerin Meike Wächter in Kontakt zu setzen, können Sie auch das Kontaktformular benutzen.

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