Worte des Monats

Dezember 2016

Dieses Mal: Zur Weihnachtszeit gehört die Epiphaniaszeit. Epiphanein ist ein griechisches Verb und bedeutet „erscheinen, offenbaren“. Was erschien nun am 6. Januar, kurz nach unserem Weihnachtsfest? Wer oder was offenbarte sich hier? Welche neue, bis dahin verborgene Seite eines Dinges bekommen wir zu Gesicht? Worum geht es in der Epiphaniaszeit als Teil der Weihnachtszeit?

  • offenes Buch
  • Über die Worte

    Diese neue Sektion auf der Seite des Reformierten Kirchenkreises widmet sich den Mitgliedern, die in den Gemeinden interessante Texte veröffentlichen. Beginnen möchten wir mit den Geistlichen. Jeden Monat veröffentlichen sie interessante Texte in den jeweiligen Gemeindebriefen. Wir möchten diese hier besonders herausheben, ihnen ein kleines Forum geben, so dass sie alle Interessierten schnell finden, lesen, und sich ihre Gedanken machen können.

  • WORTE

    Dieses Mal von Pfarrer Malte Koopmann

    Zur Weihnachtszeit gehört die Epiphaniaszeit. Epiphanias ist am 6. Januar, kein Feiertag in Brandenburg und fällt auf einen Freitag. Wir feiern also wie meistens auch in diesem Jahr nur die Gottesdienste „nach Epiphanias“. Epiphanein ist ein griechisches Verb und bedeutet „erscheinen, offenbaren“. Was erschien nun am 6. Januar, kurz nach unserem Weihnachtsfest? Wer oder was offenbarte sich hier? Welche neue, bis dahin verborgene Seite eines Dinges bekommen wir zu Gesicht? Worum geht es in der Epiphaniaszeit als Teil der Weihnachtszeit?
    Besonders in katholischen Gemeinden wird der Epiphaniastag als „Dreikönigstag“ gefeiert. Sternensänger haben Hochkonjunktur. Die FDP hält an diesem Tage ihr traditionelles „Dreikönigstreffen“ ab. All das geht auf die Geschichte der „Weisen aus dem Morgenland“ zurück, die uns Matthäus (Kapitel 2) in seinem Weihnachts- evangelium bewahrt hat. Die Könige gehören ebenso wie Maria, Joseph und die Hirten zu den Standardkrippenfiguren, die überall im Lande zu Weihnachten auf- gebaut werden. Aber die Hirten haben die Weisen ebenso wenig zu Gesicht be- kommen wie die „Könige“ die Krippe und die Hirten. Denn die „Könige“ kommen aus der Kindheitsgeschichte Jesu nach Matthäus, die Hirten und die Krippe aus der des Lukas. Doch auch in unserem Wohnzimmer stehen sie einträchtig neben- einander.
    Die „Könige“ werden bei Matthäus mit dem griechischen Wort „Magoi“ bezeich- net. Es ist derselbe Wortstamm, den wir für unser Wort „Magier“ gebrauchen. Das hat zunächst nichts mit „Magie“ zu tun: Hier sind persische Priester gemeint. Die kannten sich aus in den Dingen des Lebens und der Welt. Die Magoi hatten großes Wissen in den damals größten Bibliotheken dieser Welt gesammelt. Auch Wissen über die übernatürlichen, göttlichen Dinge. Darum beschäftigten sie sich auch mit Sternkunde, einer Mischform der heutigen Astrologie und Astronomie; die gött- lichen Dinge haben schon immer etwas mit dem Himmel und den Sternen zu tun. Bei ihren Sternbeobachtungen waren unsere Weisen nun auf einen neuen Stern, von dem auch außerbiblische Quellen der Zeit um Jesu Geburt berichtet haben, aufmerksam geworden. Der Astronom Kepler meinte später, es handelte sich dabei um das Zusammentreffen der Planeten Jupiter und Saturn im Sternbild der Fische, und auch heute gibt es viele nachvollziehbare Erklärungen für diesen Stern. Sternkundige versuchen natürlich, solche Konstellationen zu deuten. Den Jupiter kannten die Weisen als Königsstern, den Saturn als Stern der Juden. Und mit dem Sternzeichen der Fische verbindet sich für ihr Verständnis die Endzeit der Welt. Was also lag näher, als in diesem „neuen Stern“ die Geburt eines neuen Königs der Juden zu sehen, der etwas mit der Endzeit der Welt zu tun haben muss? Grund genug, die Sachen zu packen und loszuziehen. Was sie letztlich wirklich bei dem neuen König gesucht haben, wussten sie vielleicht selbst nicht. Aber auch Weise wissen eben nicht alles. So war es vielleicht die Ahnung, dass dieser Neugeborene neue Antworten auf wichtige Lebensfragen haben könnte.
    Wir wissen, wie ihre Geschichte weitergeht. Irgendwann sind sie nach manchen Hindernissen beim Kind angekommen und erweisen ihm alle Ehre, schenken ihm „Gold, Weihrauch und Myrrhe“. Wahrhaft königliche Schätze: Ewiges Gold, be- ständig und unzerstörbar, und doch ein nur schwacher Abglanz Gottes. Weihrauch wurde schon damals für religiöse Handlungen benutzt. Nicht nur Augen und Ohren, auch die Geruchssinne werden damit angesprochen. Es geht schließlich um den ganzen Menschen, wenn es um Gott geht. Myrrhe, das in besonderen Gemischen zur Salbung von Königen und als Betäubungsmittel (ein Hinweis auf den Kreuzestod des Kindes!) verwendet wurde. Die Weisen legen Jesus alles zu Füßen, was ihnen wertvoll, heilig und in ihrem Glauben von größter Bedeutung ist. Das ist sicher mehr als eine Geste, mehr als eine Freundlichkeit: Die Weisen ahnen, dass der Ort, an dem sie da stehen, ein historischer Ort ist.
    Epiphanias, Erscheinung: Eine Sternkonstellation erscheint, mit ihr der Gottessohn Jesus auf dieser Welt. Nicht die Nahen – die Fernen (innerlich: Die Hirten, äußer- lich: Die Weisen) sind es, die begreifen, dass etwas die Welt bewegendes ge- schehen ist. Epiphanias, Offenbarung: Es offenbart sich eine neue, bisher nicht sichtbare Seite des Geschehens. War bisher nur ein Kind an der Seite seiner nicht gerade wohlhabenden Eltern zu sehen – mit dem Besuch der Magoi aus der Ferne bekommt alles eine neue Dimension. Epiphanias lässt uns das klarer sehen. Weihnachten ist nicht einfach die Geburt eines kleinen, sicher niedlichen und liebenswürdigen Kindes in Armut. Weihnachten offenbart die Erscheinung Gottes in dieser Welt in einem Menschen-Kind. Dieses Kind wird zum wahren König der Welt, dem immer mehr Menschen überall auf der Erde Ehre erweisen werden. Epiphanias offenbart uns die bisher noch verborgene Tatsache, dass in der Krippe Gott selbst zur Welt gekommen ist. Gott, der alles daransetzt, uns so nahe zu kom- men, dass er unser Leben und unsere Herzen gewinnt. Es gibt also viele gute Gründe, auch in diesem Jahr wieder Weihnachten zu feiern. Darum: Eine gesegnete Weihnachtszeit für Sie und Ihre Familien.

    Quelle: Gemeindebrief. Evangelisch-Reformierter Pfarrsprengel Hohenbruch/Brandenburg. Dezember 2016 – Februar 2017. Malte Koopmann.

Worte des Monats

Januar 2017

Dieses Mal: Um das Abendmahl und die „richtige Lehre“ gibt es seit Jahrhunderten innerkirchlichen Streit. Offiziell ist es bis heute den römisch-katholischen Priestern verboten, Protestanten die Eucharistie zu spenden. Zu groß sind noch die theologischen Gräben.

  • offenes Buch
  • Über die Worte

    Diese neue Sektion auf der Seite des Reformierten Kirchenkreises widmet sich den Mitgliedern, die in den Gemeinden interessante Texte veröffentlichen. Beginnen möchten wir mit den Geistlichen. Jeden Monat veröffentlichen sie interessante Texte in den jeweiligen Gemeindebriefen. Wir möchten diese hier besonders herausheben, ihnen ein kleines Forum geben, so dass sie alle Interessierten schnell finden, lesen, und sich ihre Gedanken machen können.

  • WORTE

    Thema: Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist – Gedanken zum reformierten Abendmahlsverständnis

    Dieses Mal von Pfarrerin Carolin Springer

    Um das Abendmahl und die „richtige Lehre“ gibt es seit Jahrhunderten innerkirchlichen Streit. Offiziell ist es bis heute den römisch-katholischen Priestern verboten, Protestanten die Eucharistie zu spenden. Zu groß sind noch die theologischen Gräben.


    Für meine Generation ist es heute nur schwer vorstellbar, dass bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts ein ähnlicher Graben innerprotestantisch verlief. Ganze vier Jahrhunderte lang hatte es zwischen den unterschiedlichen evangelischen Konfessionen nach lutherischer und reformierter Prägung keine Abendmahlsgemeinschaft gegeben. 1957 brachten die Arnoldshainer Abendmahlsthesen eine versöhnliche Perspektive. 1973 wurden Kernformulierungen der Arnoldshainer Thesen in die Leuenberger Konkordie aufgenommen. Mit dieser Lehrübereinkunft reformatorischer Kirchen Europas, wurde Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft zwischen den beteiligten lutherischen, reformierten und unierten Kirchen hergestellt.


    Diese Gemeinschaft ist ein hohes Gut, das es zu wahren und zu pflegen gilt. Dazu gehört, dass man sich auch weiterhin mit den Themen beschäftigt, Fragen klärt, im Gespräch bleibt. Und auch in der eigenen konfessionellen Prägung, in der eigenen Gemeinde neben der Feier des Abendmahls, die Abendmahlslehre immer wieder in den Blick nimmt und sich vergewissert, ob wir noch in der Spur sind, ob wir wissen, was wir, warum, wie feiern.


    Was sind meine persönlichen Erfahrungen mit dem Abendmahl? Was tut mir gut? Was wollte ich schon immer wissen? Gibt es andere Formen der Feier? Wozu gibt es Einzel- und Gemeinschaftskelche? Dürfen auch meine Kinder zum Abendmahl? Geht es um das Erinnern oder um die Gemeinschaft? Und wie ist das mit der Realpräsenz? – Diese und ähnliche Fragen können dabei Thema werden.


    Der Systematiker Prof. Dr. Georg Plasger geht der Frage nach, was es mit dem Aspekt des Gedächtnismahles in den reformierten Gemeinden auf sich hat. „Das tut zu meinem Gedächtnis“, heißt es gleich zweimal in den Einsetzungsworten. Das Erinnern, das schon in den biblischen Schriften des Alten und Neuen Testaments eine entscheidende Rolle spielt, bekommt auch in reformierter Abendmahlslehre ein besonderes Gewicht. Allerdings ist diese Form des Erinnerns nicht zu verstehen als schlichter denkmalpflegerischer Umgang mit der Vergangenheit, sondern im Erinnern selbst findet Vergegenwärtigung statt. Es geht um theologisch gedeutete Geschichte. Plasger schreibt:


    „Nur, wenn das Gedenken richtig interpretiert wird, kann es als leitendes Motiv für die Feier des Abendmahls herhalten: Wir werden hineingenommen in die Geschichte Gottes. Dann ist Gott im Abendmahl auch präsent. Gedenken beim Abendmahl heißt: Wir bekennen uns dazu, dass wir hinein genommen sind in die Geschichte Gottes mit den Menschen.“


    Jesu Kreuzestod ist kein Ereignis der Vergangenheit, sondern ist auch für mich heute geschehen und relevant. Ich bin Teil der Geschichte Gottes. Davon erzählen die biblischen Texte, in die ich mich mit hineinbegeben kann, mit meiner Geschichte ins Gespräch bringe, mich entdecke und Gott erlebe. Gott ist präsent – eben auch im Abendmahl. Hörbar im Wort, erlebbar in der Gemeinschaft, sichtbar in meinem Leben und manchmal sogar schmeckbar, wie es in Psalm 34 heißt: „Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist.“

    Quelle: Gemeindeblatt der Evangelisch- reformierten Bethlehemsgemeinde. August–September 2016. Carolin Springer.


    Als kleinen Appetithappen empfielt ihnen Pfarrerin Springer den Text von Prof. Dr. Georg Plasger auf reformiert-info.de

Worte des Monats

Februar 2017

Dieses Mal: „Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als erstes: Friede diesem Haus!“ (Lukas 10,5) – so der Monatsspruch für Februar.

  • offenes Buch
  • Über die Worte

    Diese neue Sektion auf der Seite des Reformierten Kirchenkreises widmet sich den Mitgliedern, die in den Gemeinden interessante Texte veröffentlichen. Beginnen möchten wir mit den Geistlichen. Jeden Monat veröffentlichen sie interessante Texte in den jeweiligen Gemeindebriefen. Wir möchten diese hier besonders herausheben, ihnen ein kleines Forum geben, so dass sie alle Interessierten schnell finden, lesen, und sich ihre Gedanken machen können.

  • WORTE

    Thema: Kommentar zum Monatsspruch der Losung Februar

    Dieses Mal von Pfarrerin Carolin Springer

    „Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als erstes: Friede diesem Haus!“ (Lukas 10,5) – so der Monatsspruch für Februar. Einst sprach Jesus diese Worte zu seinen Jüngern, bevor er sie losschickte, durch die Lande zu reisen. Welch ein schöner Vers, welch weiser Ratschlag. So soll es doch sein, wenn man einander besucht: dass man in Frieden kommt. Doch nicht nur zu einer Person soll dieser Satz gesagt werden. Vielmehr heißt es: Friede diesem Haus ! Also allen im Haus gilt der Friede. Auch den Unbekannten, den Unbequemen, den Stillen und Lauten. Der Friede, von dem Jesus hier spricht, galt dem Hausherrn genauso wie der Magd. Gilt den Kindern, den Kranken, den Alten. Friede diesem Haus! Das Haus als kleiner Querschnitt durch die Gesellschaft. Vielleicht hätte Jesus auch sagen können: Wenn ihr in eine Stadt kommt, so sagt als erstes: Friede dieser Stadt. Doch vielleicht wusste er auch, dass es manchmal schon schwer genug ist im Kleinen zu beginnen. Also übe erstmal „Friede diesem Haus“.


    Das griechische Wort für Friede meint hier übrigens auch Wohlbefınden und Heil. Friede, Wohlbefınden, Heil euch allen in diesem Haus. Ist das nicht das, wonach wir uns alle sehnen: Friede, Wohlbefınden, Heil? Heil sein gefällt mir besonders. Nicht nur unverletzt sein, sondern mit den eigenen Wunden als heil, als ganz wahrgenommen zu werden. So wie ich bin. Mit Ecken und Macken. Frieden fınden. Ja, so soll es sein, wenn man sich begegnet, einander besucht.


    Da plötzlich fällt er mir ein, der Satz von Karl Valentin, den meine Freundin so gerne zitiert: „Heute Abend komme ich mich besuchen. Hoffentlich bin ich zu Haus“. Und ich frage mich: was braucht es eigentlich, damit ich mit mir Frieden habe? Damit ich mich selbst gut besuchen kann? Vielleicht sollte ich das tun, was ich immer mache, wenn Besuch ansteht: erst mal aufräumen und Ordnung schaffen. Dazu bietet die Fastenzeit eine echte Chance. Innerlich aufräumen, den Ballast wegwerfen, den man nicht braucht, prüfen, woran ich mein Herz fest mache, mich ganz auf Gottes Wort konzentrieren, ihm Zeit in meinem Leben geben, mir Zeit geben, in mir ruhen und einfach da sein. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine besinnliche Fastenzeit und Friede Ihrem Haus!

    Quelle: Gemeindeblatt der Evangelisch- reformierten Bethlehemsgemeinde. Februar–März 2017. Carolin Springer.

Worte des Monats

März 2017

Dieses Mal: Thema: Vergebung schafft wieder Platz im Herzen. Mit diesen Worten Jesu ist uns eine Hausaufgabe aufgegeben, die uns eine Menge abverlangt.

  • offenes Buch
  • Über die Worte

    Diese neue Sektion auf der Seite des Reformierten Kirchenkreises widmet sich den Mitgliedern, die in den Gemeinden interessante Texte veröffentlichen. Beginnen möchten wir mit den Geistlichen. Jeden Monat veröffentlichen sie interessante Texte in den jeweiligen Gemeindebriefen. Wir möchten diese hier besonders herausheben, ihnen ein kleines Forum geben, so dass sie alle Interessierten schnell finden, lesen, und sich ihre Gedanken machen können.

  • WORTE

    Thema: Vergebung schafft wieder Platz im Herzen

    Dieses Mal von Pfarrerin Cornelia Müller

    Mit diesen Worten Jesu ist uns eine Hausaufgabe aufgegeben, die uns eine Menge abverlangt. Was Jesus da fordert, ist eigentlich eine Ungeheuerlichkeit und dürfte unsere Denkgewohnheiten so ziemlich auf den Kopf stellen: Auge um Auge, Zahn um Zahn - das ist reell. Gleiches mit Gleichem vergelten, scheint in Ordnung - obwohl es damals auch schon eine absolute Strafmilderung war. Was galt vorher: 10, 20 oder 100fache Rache? Nach dem jüdischen Gesetz sollte mit einem einfachen Ausgleich Frieden geschaffen werden. Das war schon sehr fortschrittlich, geradezu modern. Die Verschärfung, die Jesus hier seinen Zuhörern abverlangt, Vergebung - ganz umsonst - das ist schon eine Herausforderung. Deshalb hat mich die Überschrift, die ich in einer Auslegung gefunden habe, so überzeugt: Vergebung schafft wieder Platz im Herzen. Jesus geht es nicht um Gerechtigkeit oder die Reform des Rechtssystems. Jesus möchte seinen Nachfolgern helfen, mit sich selbst und Gott ins Reine zu kommen: "Liebe Gott und deinen Nächsten wie dich selbst". Dieses höchste Gebot - können wir nur befolgen, wenn wir unsren Ballast loslassen und alles Negative an Gott abgeben. Da ist dann kein Platz mehr für Groll, nachtragende Gedanken und Ärger. Das gibt wieder Raum für das Gute in unseren Herzen. Klingt einleuchtend und wie alles, was Jesus fordert, kompromisslos. Kompromisslos gut, oder?

    Quelle: Gemeindebrief Uckermark. Februar–April 2016. Pfarrerin Cornelia Müller.

Worte des Monats

April 2017

Dieses Mal mit dem Thema: „Alles wirkliche Leben ist Begegnung.“ Mit diesem Zitat des Religionsphilosophen Martin Buber leitet Pfarrerin Urban eine ihrer liebsten Ostergeschichten ein, erzählt von dem Evangelisten Johannes.

  • offenes Buch
  • Über die Worte

    Diese neue Sektion auf der Seite des Reformierten Kirchenkreises widmet sich den Mitgliedern, die in den Gemeinden interessante Texte veröffentlichen. Beginnen möchten wir mit den Geistlichen. Jeden Monat veröffentlichen sie interessante Texte in den jeweiligen Gemeindebriefen. Wir möchten diese hier besonders herausheben, ihnen ein kleines Forum geben, so dass sie alle Interessierten schnell finden, lesen, und sich ihre Gedanken machen können.

  • WORTE

    Thema: „Alles wirkliche Leben ist Begegnung.“ (Zitat: Martin Buber)

    Dieses Mal von Pfarrerin Carolin Springer

    Eine meiner liebsten Ostergeschichte erzählt der Evangelist Johannes. Er erzählt von Maria: Viele Wegstrecken war sie mit Jesus gegangen. Die Begegnung mit ihm hatte damals ihr Leben verändert. Ja, man kann sogar sagen, die Begegnung mit ihm hat ihr das Leben neu geschenkt. An seiner Seite fühlte sie sich lebendig und von Gott geliebt. An seiner Seite erlebte sie die Buntheit des Lebens und die gnädige Macht Gottes. Er war ihr Gefährte geworden – oder sie die seine. Doch das war nun vorbei. Mit Karfreitag trat der Tod in ihr Leben. Alle Hoffnung, alle Lebendigkeit wichen der Trauer und Verzweiflung. Allein machte sich Maria auf dem Weg zum Grab, so erzählt es Johannes. Und was sie dort sieht, lässt sie noch tiefer in die Trauer fallen. Maria weint, das Grab ist leer, ihr Herz ist leer. Nur ein Gedanke scheint sie zu beschäftigen: Wo haben sie ihn hingebracht? Mit tränenverschwommenem Blick nimmt sie die Engel nicht wahr. Mehr noch, sie erkennt Gott nicht, erkennt Jesus nicht, der vor ihr steht. Nur ein schmerzliches Bild steht ihr vor Augen: Das Grab ist leer! – und Maria ist gefangen im Tod.

    Das, was dann passiert, rührt mich an. So zart, so fein und doch so kraftvoll. Der Auferstandene sagt nur ein Wort: Maria! – und sie erkennt, sie lebt.

    Alles wirkliche Leben ist Begegnung – Begegnen heißt, mein Gegenüber als ein ebensolches anzusehen: Von Angesicht zu Angesicht. Und ihn oder sie beim Namen zu nennen. Manchmal müssen wir uns auf den Weg machen, unsere Augen und unser Herz öffnen, um dem Leben zu begegnen. In den Begegnungen schenkt Gott uns das wirkliche Leben. Und auch wir können einander Leben schenken. Indem wir hinsehen, hingehen, ansprechen, handeln.

    Vielleicht lautet die Osterbotschaft heute für uns: „In den kleinen Begegnungen bin ich mitten unter euch. Von Mensch zu Mensch, von Angesicht zu Angesicht. Begegnet einander, dann begegnet ihr mir.“

    Quelle: Gemeindebrief Neukölln. April–Mai 2014. Pfarrerin Carolin Springer.

Worte des Monats

Mai 2017

Dieses Mal mit dem Thema: „Wie ihr nun den Herrn Christus Jesus angenommen habt, so lebt auch in ihm und seid in ihm verwurzelt und gegründet und fest im Glauben, wie ihr gelehrt worden seid, und seid reichlich dankbar.“ (Kolosser 2,6)

  • offenes Buch
  • Über die Worte

    Diese neue Sektion auf der Seite des Reformierten Kirchenkreises widmet sich den Mitgliedern, die in den Gemeinden interessante Texte veröffentlichen. Beginnen möchten wir mit den Geistlichen. Jeden Monat veröffentlichen sie interessante Texte in den jeweiligen Gemeindebriefen. Wir möchten diese hier besonders herausheben, ihnen ein kleines Forum geben, so dass sie alle Interessierten schnell finden, lesen, und sich ihre Gedanken machen können.

  • WORTE

    Thema: „Wie ihr nun den Herrn Christus Jesus angenommen habt, so lebt auch in ihm und seid in ihm verwurzelt und gegründet und fest im Glauben, wie ihr gelehrt worden seid, und seid reichlich dankbar.“ (Kolosser 2,6)

    Dieses Mal von Pfarrer Malte Koopmann

    Die Worte des Monatsspruchs sind inhaltsschwer. Sie beschreiben nämlich Entscheidungen und den Weg von Menschen, die sich im Blick auf ihr eigenes Leben festgelegt haben. Sie haben sich für Christus Jesus entschieden, ihn angenommen. Sie haben ihr JA zu ihm und seinem Weg gesagt. Das ist eine für das eigene Leben nicht unwesentliche Entscheidung. Sie hat Konsequenzen, wenn sie den eigenen Lebensweg prägen soll. Das muss denen klar sein, die sich so entscheiden oder für andere Menschen entscheiden, die dazu selbst nicht in der Lage sind. Christsein hat immer auch mit Entscheidungen zu tun, es ist nichts Statisches, Unveränderliches.

    Die ersten christlichen Gemeinden in Kleinasien haben diese Worte des Apostels als ihren Glauben unterstützende Hinweise bekommen. Sie sollen ihnen helfen, in allen Veränderungen ihres Lebens im Glauben zu bleiben: „ ... so lebt auch in ihm und seid in ihm verwurzelt und gegründet und fest im Glauben, ... und seid dankbar.“ Offensichtlich sind diese Hinweise in ihrer Entstehungszeit nicht überflüssig. Schon die ersten Gemeinden werden von Auseinandersetzungen um den Glauben erschüttert. Da können die Apostelworte zur Orientierung helfen. Sie sagen deutlich, dass es unverzichtbar ist, den eigenen Glauben im gekreuzigten und auferstandenen Christus Jesus gegründet zu wissen und von ihm her zu denken und zu leben. Das war und ist auch heute nicht immer leicht. Deshalb brauchen wir wie die Christen vor fast 2000 Jahren Glaubenshilfe, die zugleich zur Lebenshilfe wird. Die Worte sind ein gutes Angebot zur Orientierung im Glauben und zum Leben. Und es ist gut, dass wir auf die Dankbarkeit als Kennzeichen christlichen Lebens hingewiesen werden.

    Quelle: Gemeindebrief Brandenburg. April 2014. Pfarrer Malte Koopmann.

    Bibelkontext: Die Auseinandersetzung mit den Gegnern

    6 Wie ihr nun Christus Jesus, den Herrn, angenommen habt, so lebt nun auch in ihm: 7 verwurzelt in ihm und aufgebaut auf diesem Fundament, gefestigt im Glauben, so wie ihr unterrichtet worden seid, und voller Dankbarkeit. 8 Gebt acht, dass es niemandem gelingt, euch einzufangen durch Philosophie, durch leeren Betrug, der sich auf menschliche Überlieferung beruft, auf die kosmischen Elemente und nicht auf Christus. 9 Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig, 10 und in ihm, der das Haupt aller Macht und Gewalt ist, habt ihr teil an dieser Fülle. 11 In ihm habt ihr auch eine Beschneidung empfangen, die nicht durch Menschenhand vollzogen wird, sondern durch das Ablegen des vergänglichen Leibes: die Beschneidung, die in Christus geschieht. 12 Mit ihm seid ihr begraben worden in der Taufe, und mit ihm seid ihr auch mitauferweckt worden durch den Glauben an die Kraft Gottes, der ihn von den Toten auferweckt hat. 13 Euch, die ihr tot wart in euren Verfehlungen, im unbeschnittenen Zustand eures Fleisches, euch hat er zusammen mit ihm lebendig gemacht, indem er uns alle Verfehlungen vergeben hat. 14 Zerrissen hat er den Schuldschein, der aufgrund der Vereinbarungen gegen uns sprach und uns belastete. Er hat ihn aus dem Weg geräumt, indem er ihn ans Kreuz heftete. 15 Die Mächte und Gewalten hat er ihrer Macht entkleidet und sie öffentlich zur Schau gestellt, ja im Triumphzug hat er sie mit sich geführt. 16 Darum soll niemand über euch zu Gericht sitzen in Sachen Speise und Trank, Fest, Neumond oder Sabbat; 17 das alles ist ja nur ein Schatten des Künftigen, das Wirkliche ist Christus. 18 Niemand soll euch den Siegespreis aberkennen, keiner, der sich gefällt in Demut und Engelverehrung und dem, was er als Eingeweihter geschaut hat. Ohne Grund bläht er sich auf in seinem auf das Irdische beschränkten Sinn 19 und hält sich nicht an das Haupt, von dem aus der ganze Leib, durch Sehnen und Bänder gestützt und zusammengehalten, in göttlichem Wachstum wächst. 20 Wenn ihr mit Christus gestorben und von den kosmischen Elementen befreit seid, was lasst ihr euch dann Bedingungen auferlegen, als lebtet ihr noch in der Welt? 21 ‹Das darfst du nicht anfassen, das nicht kosten, das nicht zu dir nehmen!› - 22 lauter Dinge, die doch dazu da sind, gebraucht und aufgebraucht zu werden. So lauten Gebote und Lehren, die von Menschen stammen. 23 Das sieht alles nach Weisheit aus und kommt fromm und demütig daher, um ja nicht den Leib zu schonen; sie wollen ihm nicht die Ehre erweisen und nicht der Befriedigung des Fleisches dienen.

    Kolosser 2, 6-23

    Quelle: Züricher Bibel. Theologischer Verlag Zürich 2007.

Worte des Monats

Juni 2017

Dieses Mal mit dem Thema: Frage und Antwort Nr. 3 aus dem Heidelberger Katechismus: "Woher erkennst du dein Elend? - Aus dem Gesetz Gottes."

  • offenes Buch
  • Über die Worte

    Diese neue Sektion auf der Seite des Reformierten Kirchenkreises widmet sich den Mitgliedern, die in den Gemeinden interessante Texte veröffentlichen. Beginnen möchten wir mit den Geistlichen. Jeden Monat veröffentlichen sie interessante Texte in den jeweiligen Gemeindebriefen. Wir möchten diese hier besonders herausheben, ihnen ein kleines Forum geben, so dass sie alle Interessierten schnell finden, lesen, und sich ihre Gedanken machen können.

  • WORTE

    Thema: Frage und Antwort Nr. 3 aus dem Heidelberger Katechismus: "Woher erkennst du dein Elend? - Aus dem Gesetz Gottes."

    Dieses Mal von Pfarrer Jürgen Kaiser

    Dass der Mensch von Grund auf böse ist und vollkommen unfähig, aus sich selbst heraus etwas Gutes zu tun, das ist für die Reformatoren, für Martin Luther ebenso wie für Johannes Calvin, eine essentielle Einsicht.

    Gegen solch eine scheinbar zutiefst pessimistische und pauschale Menschensicht regt sich Widerspruch. In der Tat entspricht sie zunächst nicht unserer Lebenserfahrung und Menschenkenntnis. Wir erleben uns selbst und die Menschen um uns herum differenziert: Nicht alles an uns ist böse, manches machen wir gut, einiges gelingt, manchmal machen wir Fehler, meist ungewollt, selten in böser Absicht. Die Wirklichkeit des Menschen ist nicht schwarz oder weiß, sie ist grau, in vielen Schattierungen. Um uns in der Gesellschaft orientieren zu können, müssen wir differenzieren. Wir können es uns gar nicht leisten, alle Menschen über einen Kamm zu scheren.

    Nach dem fulminanten Auftakt in Frage 1 nach dem einzigen Trost im Leben und im Sterben führt uns der Heidelberger Katechismus in die Erkenntnis unseres Elends und meint damit die Einsicht in die vollkommene Unfähigkeit zum Guten. Jedoch stellt er klar, dass die Erkenntnis unseres Elends nicht der Lebenserfahrung und Menschenkenntnis entspringt. Vielmehr ist es Gott, der uns durch sein Wort zu dieser Einsicht bringt. Nicht im Blick auf uns selbst erkennen wir unser Elend sondern - wie der Heidelberger Katechismus sagt - aus dem Gesetz Gottes. Das Gesetz Gottes ist Gottes Wort, und zwar dasjenige Wort, das uns sagt, was Gott von uns fordert. Das Gesetz ist nicht etwa - so ein verbreitetes Missverständnis - das Alte Testament. Was das Gesetz Gottes von uns fordert, beantwortet der Heidelberger Katechismus mit der „Summe des Gesetzes” (Matth. 22,37-40), also mit einer Kernaussage Jesu, die wie kaum eine andere Jesu Verwurzelung in der Theologie der Tora zeigt.

    Die „Summe des Gesetzes” offenbart die Totalität von Gottes Anspruch an uns: Wir sollen Gott „lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt”. Dieser Totalität können wir mit unserem bisschen Leben, das aus Halbheiten besteht und von Kompromissen lebt, nicht gerecht werden. Das ist unser Elend. Kein Elend, das vor Augen ist und an dem wir immerzu leiden, sondern ein Elend, das wir erst aus Gottes Wort erkennen. Es ist also eine Erkenntnis, die nur der Glaube realisiert, mithin ein geglaubtes Elend. Dass wir alle Sünder sind, ist nicht Erfahrung sondern Bekenntnis.

    Deshalb verzichtet der Heidelberger Katechismus darauf, das Elend auszumalen. Er weidet sich nicht an der schamvollen Erkenntnis unserer Unzulänglichkeit. Er bleibt gerade hier nüchtern und zurückhaltend.Für mich hat auch dieser Teil unseres Glaubens, die Einsicht in unser Elend, etwas Tröstliches. Sie relativiert nämlich all die Unterschiede, die wir zwischen uns machen und unter denen wir so oft leiden. Am Ende ist keiner, der nicht auf Gottes Erbarmen angewiesen wäre. Am Ende ist keiner, der es nicht nötig hätte, von Gott allein aus Gnade angenommen zu werden. Die Offenbarung unseres Elends ist die große Gleichmacherei Gottes. Sie schenkt mir einen gnädigen Blick auf mich selbst und die anderen.

    Quelle: Die Hugenottenkirche. Mai 2013. Pfarrer Jürgen Kaiser.

    Bibelkontext: Zur Frage nach dem höchsten Gebot

    34 Als aber die Pharisäer hörten, dass er die Sadduzäer zum Schweigen gebracht hatte, versammelten sie sich am selben Ort. 35 Und in der Absicht, ihn auf die Probe zu stellen, fragte ihn einer von ihnen, ein Gesetzeslehrer: 36 Meister, welches Gebot ist das höchste im Gesetz? 37 Er sagte zu ihm: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstand. 38 Dies ist das höchste und erste Gebot. 39 Das zweite aber ist ihm gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. 40 An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.

    Matthäus 22, 34-40

    Quelle: Züricher Bibel. Theologischer Verlag Zürich 2007.

Worte des Monats

Juli 2017

Dieses Mal mit dem Thema: Geh aus, mein Herz, und suche Freud, in dieser lieben Sommerzeit... .

  • offenes Buch
  • Über die Worte

    Diese neue Sektion auf der Seite des Reformierten Kirchenkreises widmet sich den Mitgliedern, die in den Gemeinden interessante Texte veröffentlichen. Beginnen möchten wir mit den Geistlichen. Jeden Monat veröffentlichen sie interessante Texte in den jeweiligen Gemeindebriefen. Wir möchten diese hier besonders herausheben, ihnen ein kleines Forum geben, so dass sie alle Interessierten schnell finden, lesen, und sich ihre Gedanken machen können.

  • WORTE

    Thema: Geh aus, mein Herz, und suche Freud, in dieser lieben Sommerzeit...

    Dieses Mal von Vikar Gérôme Kostropetsch

    Demnächst ist Sommeranfang. So steht es im Kalender. Ich schaue aus dem Fenster und sehe schon jetzt einen Vorgeschmack auf diese Zeit: Der Himmel ist öfter von einem satten Blau durchzogen, als von einem matten Grau. Die Sonne wird kräftiger und ihre Strahlen tun mir gut. Das Wetter lädt immer mehr dazu ein, hinaus zu gehen und Gottes Schöpfung zu genießen.

    Vieles kommt mir leichter vor und ich habe den Eindruck, dass ich nicht der Einzige bin, dem es so geht. Auf den Straßen, in den Parks oder den Wäldern tummeln sich die Menschen. In vielen Gesichtern entdecke ich ein fröhliches Lächeln, wenn sie sich der Sonne zuneigen, die Augen leicht geschlos- sen, damit sie nicht geblendet werden. Das wohltuende Licht gibt Energie. Mir kommt der Sommergesang Paul Gerhardts in den Sinn. Die Melodie von „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“ (EG 503) erklingt in mir und wird regelrecht ein Ohrwurm, der mich begleitet. Paul Gerhardt beschreibt hier die Fülle der Schöpfung. Alles ist lebendig und im Einklang. Mit dem Lied in meinen Gedanken und der Freude im Herzen wird mein Blick weiter. Ich denke an den, der für all dies verantwortlich ist. Auch Gerhardts Text verweist auf ihn, auf Gott, den Schöpfer. Jedes Mal aufs Neue staune ich darüber, was Gott geschaffen hat. In Psalm 104 heißt es „Herr, wie sind deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weise geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter.“ Gerade in der Sommer-zeit fällt mir das besonders auf.

    Und so danke ich Gott. Danke ihm für seine Schöpfung und werde mir bewusst: Auch ich bin ein Teil davon. Ich bin dankbar für die Menschen, die mich in meinem Leben begleiten. Und ich danke ihm, dass er bei mir ist, auch in den Zeiten, die von Trauer überschattet sind und in denen ich es nicht schaffe mich an irgendetwas zu erfreuen.

    „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“, dieser Aufforderung zu folgen, fällt mir gerade dann nicht immer leicht. Ich muss aufstehen, losgehen und meine Komfortzone verlassen. Nicht immer finde ich etwas, dass mich wieder aufbaut. An anderen Tagen jedoch, kann ich auch in den kleinsten Dingen, wie dem bunten Schmetterling oder dem winzigen Marienkäfer, Gottes großes Werk erkennen. Ich wünsche Ihnen eine erfüllte Sommerzeit. Hören Sie auf den Text von Paul Gerhardt, gehen Sie hinaus und suchen Sie Freude an den Gaben Gottes. Entdecken Sie, wie vielfältig die Schöpfung ist und kommen Sie ins Staunen, auch über die scheinbar kleinen Dinge.

    Quelle: Gemeindeblatt der Evangelisch- reformierten Bethlehemsgemeinde. Juni - Juli 2017. Gérôme Kostropetsch.

    Bibelkontext: Psalm 104: Wie zahlreich sind deine Werke

    1 Lobe den HERRN, meine Seele. HERR, mein Gott, du bist so gross. In Hoheit und Pracht bist du gekleidet,
    2 der du dich hüllst in Licht wie in einen Mantel, der den Himmel ausspannt wie ein Zelt,
    3 der im Wasser seine Gemächer baut, der Wolken zu seinem Wagen macht, auf Flügeln des Sturms dahinfährt,
    4 der Winde zu seinen Boten bestellt, zu seinen Dienern lohendes Feuer.
    5 Der die Erde auf ihre Pfeiler gegründet hat, dass sie niemals mehr wankt.
    6 Mit der Urflut bedecktest du sie wie mit einem Kleid, hoch über den Bergen standen die Wasser.
    7 Vor deinem Schelten flohen sie, vor deiner Donnerstimme wichen sie zurück.
    8 Sie stiegen an Bergen hinan und sanken in Täler hinab, an den Ort, den du ihnen bestimmt hast.
    9 Du hast eine Grenze gesetzt, die sie nicht überschreiten; nie dürfen sie wieder die Erde bedecken.
    10 Quellen schickt er in die Täler, zwischen den Bergen fliessen sie dahin.
    11 Sie tränken alle Tiere des Feldes, Wildesel stillen ihren Durst.
    12 An ihren Ufern wohnen die Vögel des Himmels, aus dem Gezweig erschallt ihre Stimme.
    13 Von seinen Gemächern aus tränkt er die Berge, von der Frucht deiner Werke wird die Erde satt.
    14 Gras lässt er sprossen für das Vieh und Kraut dem Menschen zunutze, damit er Brot hervorbringe aus der Erde
    15 und Wein, der des Menschen Herz erfreut, damit er das Angesicht erglänzen lasse von Öl und Brot das Herz des Menschen stärke.
    16 Die Bäume des HERRN trinken sich satt, die Zedern des Libanon, die er gepflanzt hat;
    17 dort nisten die Vögel, der Storch hat in den Zypressen sein Haus.
    18 Die Gebirge gehören den Steinböcken, die Felsen bieten den Klippschliefern Zuflucht.
    19 Er hat den Mond gemacht zur Bestimmung der Zeiten, die Sonne, die ihren Untergang weiss.
    20 Du bringst Finsternis, und es wird Nacht, in ihr regen sich alle Tiere des Waldes.
    21 Die Löwen brüllen nach Beute und fordern von Gott ihren Frass.
    22 Strahlt die Sonne auf, ziehen sie sich zurück und lagern in ihren Verstecken.
    23 Der Mensch geht hinaus an sein Werk, an seine Arbeit bis zum Abend.
    24 Wie zahlreich sind deine Werke, HERR. Du hast sie alle in Weisheit gemacht, die Erde ist voll von deinen Geschöpfen.
    25 Da ist das Meer, so gross und so weit, darin ein Gewimmel ohne Zahl, Tiere gross und klein.
    26 Schiffe ziehen dahin, der Leviatan, den du gebildet hast, um mit ihm zu spielen.
    27 Sie alle warten auf dich, dass du ihnen Speise gibst zur rechten Zeit.
    28 Gibst du ihnen, so sammeln sie ein, tust du deine Hand auf, so werden sie satt von Gutem.
    29 Verbirgst du dein Angesicht, erschrecken sie, nimmst du ihren Atem weg, kommen sie um und werden wieder zu Staub.
    30 Sendest du deinen Atem aus, werden sie erschaffen, und du erneuerst das Angesicht der Erde.
    31 Ewig währe die Herrlichkeit des HERRN, der HERR freue sich seiner Werke.
    32 Er blickt die Erde an, und sie erbebt, er rührt die Berge an, und sie rauchen.
    33 Ich will dem HERRN singen mein Leben lang, will meinem Gott spielen, solange ich bin.
    34 Möge mein Dichten ihm gefallen, ich freue mich des HERRN.
    35 Mögen die Sünder verschwinden von der Erde und die Frevler nicht mehr sein. Lobe den HERRN, meine Seele. Hallelujah.

    Psalter 104, 1-35

    Quelle: Züricher Bibel. Theologischer Verlag Zürich 2007.

Worte des Monats

August 2017

Dieses Mal mit dem Thema: Reformationsjubiläum. Wenn ich jetzt aber nach Sachsen-Anhalt einfahre, lese ich "Ursprungsland der Reformation“.

  • offenes Buch
  • Über die Worte

    Diese neue Sektion auf der Seite des Reformierten Kirchenkreises widmet sich den Mitgliedern, die in den Gemeinden interessante Texte veröffentlichen. Beginnen möchten wir mit den Geistlichen. Jeden Monat veröffentlichen sie interessante Texte in den jeweiligen Gemeindebriefen. Wir möchten diese hier besonders herausheben, ihnen ein kleines Forum geben, so dass sie alle Interessierten schnell finden, lesen, und sich ihre Gedanken machen können.

  • WORTE

    Thema: „Reformationsjubiläum“ auf „reformiert“

    Dieses Mal von Pfarrer Malte Koopmann

    Wie gut, dass ich bald wieder im Land der Ausge- schlafenen bin! dachte ich immer wieder, wenn ich auf der Autobahn Richtung Brandenburg durch Sachsen-Anhalt fuhr. Und: Muss ich jetzt eigentlich umziehen, wenn ich als Frühaufsteher in Branden- burg wohne? Oder mit meinem Freund Peter aus Magdeburg die Wohnung tauschen, der immer erst gegen 10 Uhr wirklich ansprechbar ist? Wenn ich jetzt aber nach Sachsen-Anhalt einfahre, lese ich da etwas anderes: „Ursprungsland der Reformation“ steht seit einer Weile auf den Schildern an der Landesgrenze. Darüber lohnt sich das Nachdenken ja noch mehr als über das Früh- aufstehen. Vor allem für „uns Reformierte“...

    Zuerst ist da natürlich Freude. Freude darüber, dass das Thema „Reformation“. 500 Jahre nach der Thesenveröffentlichung Luthers in Wittenberg eine so große und gesamtgesellschaftliche Rolle spielt. Nicht nur am 31. Oktober, der in diesem Jahr in allen Bundesländern ein arbeitsfreier Reformationstag sein wird, sogar in Berlin und Bayern (wenn auch leider nur einmalig). Auch nicht nur beim 36. Deutschen Evange- lischen Kirchentag, der sich in diesem Jahr in gleich drei Bundesländern abspielen wird. Sondern auch in zahllosen Beiträgen in den Medien, von den gedruckten über Radio oder Fernsehen bis hin zum Internet sowie in gesellschaftspolitischen Dis- kussionen, Veranstaltungen und Festakten. Dafür ist dieses Schild an den Autobahnen ein deutlich sichtbares Zeichen, und dass ich in einem Land lebe, in dem das in diesem Maße möglich ist, macht mich als „gelerntem DDR-Bürger“ froh und dankbar. Es ist ja wirklich bereichernd, sich den Themen der Reformation zu widmen, auch außerhalb der Kirchen. Zum Beispiel wenn man sich mit der Herausbildung der Deutschen Schrift-Sprache beschäftigt und der Rolle, die Martin Luther dabei gespielt hat, insbesondere mit seiner Übersetzungsarbeit an der Bibel. Oder mit den Rollen von Frau und Mann in Kirche und Gesellschaft, die sich seit seiner Heirat mit der Nonne Katharina von Bora stark verändert haben. Oder mit der Entstehung von Schulen, die Herzensangelegenheit gerade Philipp Melanchtons war. Oder mit der Medien- revolution, die durch die Entstehung der Buchdruckkunst die damalige Welt mindestens genauso stark verändert hat wie in unserer Zeit die Entwicklung des Internet.

    Dabei ist auch das Nachdenken über die theologischen Kernfragen von damals ein Gewinn, selbst für Menschen, die den Kirchen distanziert gegenüberstehen. Luthers Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ entwickelt ein Freiheitsverständnis, das noch heute für unsere Gemeinschaft in Europa und der Welt richtungsweisend ist. Sein Ringen um die Frage nach Rechtfertigung ist auch für viele Menschen heute existenziell auf der Suche nach dem Sinn ihres Lebens und Sterbens, und Luthers Wiederentdeckung der Bedeutung der Liebe und Gnade Gottes wurde nicht nur zum Schlüssel evangelischen Bibellesens, sondern beschreibt das elementarste Grund- bedürfnis aller Menschen, solange diese Welt sich dreht - um nur einige Beispiele zu nennen. All das und viel mehr können die Feiern rund um das Reformationsjubiläum neu oder intensiver ins Gespräch bringen. Andererseits birgt die Konzentration auf das Geschehen in Wittenberg und die Person Martin Luthers die Gefahr einer gewissen Engführung. Denn die Reformation, über die wir in diesem Jahr nachdenken, hat ihre Ursprünge ganz sicher nicht einfach nur in Wittenberg und Luther. Das wird deutlich, wenn man das Wirken beispielsweise von John Wyclif in England oder Jan Hus in Böhmen betrachtet, die lange vor Luther lebten. Oder wenn man an Huldrych Zwingli oder Johannes Calvin denkt, deren Theologie wie die Luthers unser Gemeindeleben mit prägt. Wenn man außerdem davon ausgeht, dass jede Gründung einer selbständigen christlichen Kirche im Kern etwas mit „reformieren“ zu tun hat, gibt es ja nicht „die“ Reformation, nicht einmal die“ evangelische Kirche. So arbeiten inzwischen im Ökumenischen Rat der Kirchen neben den großen Kirchen evangelischer Tradition (Lutheraner, Reformierte, Methodisten, Baptisten u.a.) auch anglikanische, altkatholische, orthodoxe oder alt- orientalische Kirchen zusammen (die katholische Kirche hat hier zumeist einen Beobachterstatus). Das wird uns Reformierten aber nicht die Jubiläumslaune verderben. Ganz im Gegenteil. Denn wir können weiter dazu beitragen, dass die evangelische Welt“ so vielfältig bleibt, dass möglichst viele Christen hier Heimat finden können.

    Quelle: Gemeindebrief Brandenburg. Juni August 2017. Pfarrer Malte Koopmann.

Worte des Monats

September 2017

Dieses Mal mit dem Thema: Gott gab uns Zeit. Von Eile war keine Rede. Vom Abwarten auch nicht.

  • offenes Buch
  • Über die Worte

    Diese neue Sektion auf der Seite des Reformierten Kirchenkreises widmet sich den Mitgliedern, die in den Gemeinden interessante Texte veröffentlichen. Beginnen möchten wir mit den Geistlichen. Jeden Monat veröffentlichen sie interessante Texte in den jeweiligen Gemeindebriefen. Wir möchten diese hier besonders herausheben, ihnen ein kleines Forum geben, so dass sie alle Interessierten schnell finden, lesen, und sich ihre Gedanken machen können.

  • WORTE

    Thema:Gott gab uns Zeit. Von Eile war keine Rede. Vom Abwarten auch nicht.

    Dieses Mal von Pfarrer Malte Koopmann

    Als wir Menschen noch eine Lebenserwartung von durchschnittlich 40 Jahren hatten, war „Abwarten“ nicht angesagt. Da mussten Entscheidungen her. Wer eine Familie gründen und gar noch Enkel erleben wollte, der durfte nicht lange zögern. Wer seinen Beruf genauso meisterhaft erlernen wollte wie Mutter oder Vater, musste früh damit anfangen. Nun aber hat sich unsere statistische Lebenserwartung mehr als verdoppelt, und die „Eile“ früherer Genrationen scheint überflüssig.

    Familie gründen, Kinder kriegen, Heiraten? „Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich nicht was Bessres findet.“ Mit 60 begänne bei Männern erst das religiöse Alter, hört man aus Psychologenkreisen (na, dann habe ich ja noch ein paar Jahre). Die Tatsache, dass wir immer länger leben, scheint doch mehr Probleme mit sich zu bringen, als wir in unseren Rentenkassen wahrnehmen können. Dazu kommt, dass das Sterben kaum noch in unseren Wohnungen stattfindet, sondern an eigens dafür hergerichteten Orten außerhalb. In Krankenhäusern, Heimen, Hospizen. Unsere Toten verschwinden uns aus den Augen in die Dunkelheit der Kühlräume. Aufgebarte Familienangehörige in Wohnräumen, in denen sich Familie und Freunde, Erwachsene und Kinder von ihren Verwandten oder Freunden verabschieden, wurden schon während meiner Kindheit eine Seltenheit. Darum haben immer mehr Menschen unter 50 noch nie selbst einen toten Menschen gesehen, kennen Tote nur noch aus dem Fernsehen. Da aber sind sie oft schon wieder auferstanden und quicklebendig, wenn man einfach nur ins nächste Programm schaltet. Und kommen sie in den Nachrichten doch einmal zu nah, kann man einfach abstellen. So wird das Gefühl immer stärker, eigentlich alle Zeit der Welt zu haben, jetzt schon „ewig“ zu leben, und die Rede vom „rechten Zeitpunkt“ verhallt leise und unverstanden.

    Der Gegenpol: Stete Lebenshast. Wie diese Geschichte aus einem Kloster erzählt: „Ein Novizenmeister wurde von einem bekümmerten Mönch gefragt: Wie machst du das, immer so aufmerksam vor Gott und den Menschen zu sein? Der Meister antwortete: Ich bin einfach nur ganz gegenwärtig. Der Mönch erwiderte: Das versuche ich doch auch. Nein, entgegnete der Meister, wenn du aufstehst, dann gehst du schon. Und wenn du zum Stundengebet gehst, dann rennst du. Und wenn du in der Kapelle bist, denkst du schon an die Arbeit. Und wenn du bei der Gartenarbeit bist, denkst du an die Studienstunde. Und wenn du bei den Studien angelangt bist, sehnst du dich nach der Mittagspause. Und wenn du isst, dann schläfst du schon. Du kannst Gott nicht begegnen, weil du in deiner Eile den Augenblick vermeidest.

    Darum: Wenn du gehst, dann geh. Wenn du betest, dann bete. Wenn du arbeitest, dann arbeite und wenn du lachst, dann lach. Sei nur ganz in dem, was du gerade tust, so wirst du die Gnade Gottes empfangen.“ Also: Nicht nur das Abwarten, sondern auch die Eile birgt ein Risiko. Das Risiko, den Augenblick gering zu schätzen und mit ihm das, was Gott für ihn bereithält.
    Paulus wirbt für das JETZT. Für ein Ende der Eile UND des Abwartens. „Seht doch: Jetzt ist die Zeit der Gnade! Begreift doch: Heute ist der Tag der Rettung!“ ( 2. Kor 6, 2b, Neue Genfer Übersetzung.) Kurz vor dem Ewigkeits- sonntag, konkret in der drittletzten Woche des Kirchenjahres, diese Ausrufe- zeichen als Wochenspruch. Jetzt! Heute! Worauf wartest du? Auf die Ewigkeit? Du willst doch Deine Erlösung nicht verschieben? Dann verschiebst du auch dein Leben! Denn jetzt hat Gott Gnade und Rettung für dich. Heute kannst du mit Gott leben. Du brauchst nicht auf einen anderen Zeitpunkt zu warten, der doch niemals wirklich besser sein wird. So zu leben, wie Jesus Christus gelebt hat: Voller Leidenschaft für die Menschen, die ihm begegnen. Mit Gnade, die keine Altlast zum Hindernis werden lässt. Mit der Rettung jeden Lebens, das nicht mehr auf „bessere Tage“ warten mag. Das Beste, was der Tag heute bereithält, ist ein Leben mit Gott. Wozu also warten? Warum vorbeieilen?

    Quelle: Gemeindebrief Brandenburg. September 2017. Pfarrer Malte Koopmann.

    Bibelkontext: Der zweite Brief an die Korinther: Die Kraft Gottes

    1 Als Mitarbeiter aber ermahnen wir euch auch: Empfangt die Gnade Gottes nicht vergeblich!
    2 Denn es heisst: Zu willkommener Zeit habe ich dich erhört, und am Tage der Rettung habe ich dir geholfen. Jetzt ist sie da, die ersehnte Zeit, jetzt ist er da, der Tag der Rettung.

    Die Kraft Gottes: 3 Mit nichts wollen wir Anstoss erregen, damit der Dienst nicht in Verruf komme; 4 vielmehr stellen wir uns ganz und gar als Gottes Diener zur Verfügung: mit grosser Ausdauer, in Bedrängnis, in Not und in Ängsten; 5 unter Schlägen, im Gefängnis, in unruhigen Zeiten, in Mühsal, in durchwachten Nächten und beim Fasten; 6 in Reinheit, in Erkenntnis, in Geduld, in Güte, im heiligen Geist, in ungeheuchelter Liebe, 7 im Wort der Wahrheit und in der Kraft Gottes; mit den Waffen der Gerechtigkeit in der Rechten und in der Linken, 8 ob wir anerkannt oder abgelehnt, verleumdet oder gelobt werden! Wie Verführer sind wir, und doch wahrhaftig, 9 wie Unbekannte, und doch wohlbekannt, wie Sterbende, und seht: wir leben, wie Gezüchtigte, und doch nicht dem Tod geweiht, 10 wie Trauernde, doch stets voller Freude, wie Bettler, die dennoch viele reich machen, wie Besitzlose, die alles besitzen.

    2. Korinther 6, 1-10

    Quelle: Züricher Bibel. Theologischer Verlag Zürich 2007.

Worte des Monats

Oktober 2017

Dieses Mal mit dem Thema: Ein starkes Gefühl; FREUDE.

  • offenes Buch
  • Über die Worte

    Diese neue Sektion auf der Seite des Reformierten Kirchenkreises widmet sich den Mitgliedern, die in den Gemeinden interessante Texte veröffentlichen. Beginnen möchten wir mit den Geistlichen. Jeden Monat veröffentlichen sie interessante Texte in den jeweiligen Gemeindebriefen. Wir möchten diese hier besonders herausheben, ihnen ein kleines Forum geben, so dass sie alle Interessierten schnell finden, lesen, und sich ihre Gedanken machen können.

  • WORTE

    Thema: Dieses Mal mit dem Thema: Ein starkes Gefühl; FREUDE.

    Dieses Mal von Vikar Gérôme Kostropetsch

    Im Monatsspruch für Oktober hören wir von einem starken Gefühl: Freude.
    Von der Freude über die ganz kleinen und unscheinbaren Dingen, bis hin zu großen und unverhofften Überraschungen - über was und wie sehr ich mich freue, kann ganz unterschiedlich sein. Egal worüber ich mich freue, Freude hat etwas kraftvolles und belebendes. Freude verfliegt meist nicht so schnell, sondern hält an. Außerdem können andere von meiner Freude angesteckt werden und ich kann sie teilen. „Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.“ Dieser Vers bildet den Abschluss eines Gleichnisses. Jesus spricht von einer Frau, die zehn Silbergroschen hat und einen davon verliert. Nachdem die Frau ihr ganzes Haus abgesucht hat, findet sie schließlich den einen kleinen Silbergroschen. Ihre Freude ist so groß, dass sie ihren Freund_innen und Nachbar_innen davon erzählt. So überschwänglich die Freude dieser Frau ist, so sei auch die Freude Gottes über einen Menschen, der zu ihm zurückfindet. Hintereinander in drei Gleichnissen berichtet Jesus im Lukasevangelium von dem Verlorenen, das wiedergefunden wurde, von dem Verlorenen, der zurückgekehrt ist.

    Der Mensch der gesündigt hat, der einen Fehler begangen hat und sich nun allein und verlassen fühlt, darf zu Gott zurückkehren. Egal wie tief das Loch ist, in dem ich sitze, Gott sucht mich. Er ist geduldig und will mir den Weg zu ihm zeigen. Er wartet auf mich. Doch der Weg zurück in Gottes Hand ist ein schwerer Weg. Der Weg ist schwer, weil ich zu mir selbst ehrlich sein muss. Ich muss auf mich schauen und mir eingestehen, wo ich Fehler gemacht habe, wo ich Gottes Weisungen missachtet habe oder wo ich andere verletzt habe. Doch am Ende dieses Bußweges steht die Hoffnung. Gott ist da, empfängt mich mit offenen Armen und voller Freude. Auch seine Freude ist ansteckend, so dass alle Engel im Himmel sich mit ihm Freuen. Immer wieder gibt es diesen Grund zur Freude. Menschen finden zu Gott, lassen sich taufen, treten wieder in die Kirche ein, bereuen ihre Sünden und erhalten die Vergebung Gottes. Tag für Tag fangen Menschen neu an mit Gott zu Leben.
    Welch eine Freude!

    Lassen Sie sich mit hineinnehmen in die Freude Gottes über das Verlorene, das wiedergefunden wurde.

    Vikar Gérôme Kostropetsch

    Quelle: Gemeindeblatt der Evangelisch- reformierten Bethlehemsgemeinde. Oktober - November 2017. Gérôme Kostropetsch.

    Bibelkontext: Psalm 104: Wie zahlreich sind deine Werke

Worte des Monats

November 2017

Dieses Mal mit dem Thema: Gott schweigt nicht, sondern spricht zu uns.

  • offenes Buch
  • Über die Worte

    Diese neue Sektion auf der Seite des Reformierten Kirchenkreises widmet sich den Mitgliedern, die in den Gemeinden interessante Texte veröffentlichen. Beginnen möchten wir mit den Geistlichen. Jeden Monat veröffentlichen sie interessante Texte in den jeweiligen Gemeindebriefen. Wir möchten diese hier besonders herausheben, ihnen ein kleines Forum geben, so dass sie alle Interessierten schnell finden, lesen, und sich ihre Gedanken machen können.

  • WORTE

    Thema: Dieses Mal mit dem Thema: Gott schweigt nicht, sondern spricht zu uns.

    Dieses Mal von Ulrich Barniske

    Im Monatsspruch vom November 2017 spricht Gott: Ich will unter ihnen wohnen und will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein.
    Dieses Wort Gottes, weitergegeben durch den Propheten, ist ein gutes und für menschliches Leben notwendiges Wort. Solche Worte brauchen wir auch heute. Gerade in schwierigen Zeiten suchen wir allein oder gemeinsam nach Orientierung und Hilfen zum Leben. Mitunter erleben wir mit, wie plötzliche Veränderungen bei uns selbst oder Verwandten, Freunden, Nachbarn das Leben beeinflussen. Dann ist vieles nicht mehr so, wie es zuvor war. Um solche Bewegungen anzunehmen, brauchen wir Menschen Kraft und auch Hoffnung, dass sich Leben zum Guten entwickeln kann. Nun haben wir auch in diesem Jahr von großem Hunger, Naturkatastrophen, aber auch Kriegen gehört, die bisheriges Leben für viele Menschen in vielen Teilen der Erde zerstört haben. Möglicherweise haben wir aus unserem räumlichen Abstand mit Spenden versucht, ihnen zu helfen. Manchem wird bewusst, wie gut wir ohne derartige Belastungen leben. Das ist gewiss keine Selbstverständlichkeit. Vor wenigen Tagen haben wir den 300. Geburtstag der Kirche in Groß Ziethen festlich und dankbar begangen. In den Gottesdiensten zum Erntedank Anfang Oktober haben wir unsere Gedanken erneut auf die Grundlagen unseres Glaubens und auch auf unsere Verantwortung für Gottes Schöpfung ausgerichtet. Sie sind unser Antworten auf Gottes Zusagen: „Ich will unter ihnen wohnen und will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein.“

    Gott überlässt uns Menschen nicht uns selbst, die wir mit vielen Entscheidungen Leben bedrohen oder zerstören. Das galt schon für Israel in früheren Zeiten. Deshalb mussten die Propheten auf Gottes Willen verweisen. Er, der Schöpfer und Vater Jesu Christi, stellt sich an die Seite des Menschen, der sich manchmal selbst am Leben hindert. Gott hält seinen Bund, den er verkündet hat. Er gibt uns nicht auf, niemals. Das ist Frohe Botschaft, Evangelium. Daraus und damit konnte Israel und können wir heute leben, Kraft und Zuversicht finden. Manchmal fällt uns das schwer, brauchen wir Zuspruch von Trost und Hoffnung.

    Deshalb lade ich Sie ein, die am 12. November in der Schwedter Kirche vom Brandenburger Motettenchor gesungenen alten und neueren Chorsätze als in Musik gefasste Worte unseres Gotteslobs und damit Antworten auf Gottes Zuspruch für uns alle zu hören. Mögen Sie auch dann durch Worte und Töne erreicht und zum Leben ermutigt werden.Es tut uns gut, dass Gott nicht schweigt, sondern zu uns spricht und uns zum Guten handelt. Das wollen wir dankbar annehmen.

    Ulrich Barniske

    Quelle: Gemeindebrief der Französisch-Reformierten Kirchengemeinden Groß Ziethen und Schwedt (Oder). Oktober bis Dezember 2017.

Worte des Monats

Dezember 2017

Dieses Mal mit dem Thema: Macht hoch die Tür, die Tor macht weit.

  • offenes Buch
  • Über die Worte

    Diese neue Sektion auf der Seite des Reformierten Kirchenkreises widmet sich den Mitgliedern, die in den Gemeinden interessante Texte veröffentlichen. Beginnen möchten wir mit den Geistlichen. Jeden Monat veröffentlichen sie interessante Texte in den jeweiligen Gemeindebriefen. Wir möchten diese hier besonders herausheben, ihnen ein kleines Forum geben, so dass sie alle Interessierten schnell finden, lesen, und sich ihre Gedanken machen können.

  • WORTE

    Thema: Macht hoch die Tür, die Tor macht weit.

    Dieses Mal von Carolin Springer

    Hatten Sie als Kind einen Adventskalender? Oder haben Sie vielleicht sogar auch dieses Jahr einen bei sich zu Hause? Mein Bruder und ich hatten als Kinder einen, den wir uns teilen sollten. Und obwohl es eine klare Regelung ab, wann wer das Türchen öffnen durfte, hatten wir darüber immer wieder Streit. Rückblickend würde ich sagen, es ging uns dabei in erster Linie nicht um das Bildchen oder das Schokostück, das sich dahinter verbarg. Über das haben wir uns natürlich auch gefreut, aber viel wichtiger war das Türchenöffnen an sich: Morgens standen wir noch im Schlafanzug gemeinsam vor dem Adventskalender. Angestrengt starrten wir auf das große Bild um möglichst als erster zwischen all den Türen die richtige Tür zu entdecken. Jeder Tag hatte sein Türchen und hatte man es gefunden, dann wurde es so langsam wie möglich geöffnet. Wir hatte Freude daran, den spannenden Moment hinauszuzögern und erst wenn man das Dahinterliegende selbst entdeckt hatte, dann durfte der andere schauen. Ach, es hat Spaß gemacht, diese Türchen zu öffnen. Jedes Jahr zur Adventszeit werde ich daran erinnert.

    Im Advent öffnen sich Türen. Manche können wir öffnen und manche werden uns geöffnet. Im Advent werden wir daran erinnert, dass auch die größte Tür, die zwischen Himmel und Erde, zwischen uns und Gott ist, uns aufgetan wird. Und so singen wir beispielsweise im Advent „O Heiland, reiß die Himmel auf, (...) reiß ab vom Himmel Tor und Tür, reiß ab, wo Schloss und Riegel für.“ (EG 7). Oder dann zu Weihnachten: „Heut schließt er wieder auf die Tür zum schönen Paradeis, der Cherub steht nicht mehr dafür.“ (EG 27) Diese Tür steht auf, und weil uns diese Tür aufgetan wurde, leben wir unter einem geöffneten Himmel. Das schenkt Mut und Kraft, so dass wir es wagen können, unsererseits Türen zu öffnen. Beispielsweise für andere Menschen, Ideen oder auch für Sehnsüchte. Unter einem geöffneten Himmel bekommen wir dann auch die Kraft, Türen zu öffnen, die in uns stecken, in unseren Herzen.

    Damals als Kind stand ich voller Vorfreude und Aufregung vor dem Adventskalender und habe ihn ganz aufmerksam betrachtet. Tag für Tag. So möchte ich mich in dieser Adventszeit betrachten, genau hinsehen auf mich im Ganzen. Und im Ganzen dann die einzelnen Türen entdecken. Und dann wag ich es, ziehe die Tür vorsichtig auf und schaue dahinter. Wer weiß, was ich entdecke. Verlorene Träume, Sehnsüchte oder gar Talente? Sorgen, Ängste oder schmerzhafte Erinnerungen? Ist die Tür erst einmal auf, kann ich das Dahinterliegende erkunden. Doch das tue ich nicht alleine. Ich bitte Gott mit hinein, damit er meine Fragen hört, meine Wunden heilt und mir aufzeigt, welche Träume noch längst nicht verloren sind. „Komm, o mein Heiland Jesu Christ, meins Herzen Tür dir offen ist.“ (EG 1), so singe ich. Und er kommt. Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit. Möge Gott uns die Kraft schenken, Türen zu öffnen und uns neu zu entdecken unter dem geöffneten Himmel.

    Carolin Springer

    Quelle: Gemeindeblatt der Evangelisch- reformierten Bethlehemsgemeinde. Dezember - Januar 2017. Carolin Springer.

Worte des Monats

Januar 2018

Dieses Mal mit dem Thema: Was bringt uns das neue Kirchenjahr?

  • offenes Buch
  • Über die Worte

    Diese neue Sektion auf der Seite des Reformierten Kirchenkreises widmet sich den Mitgliedern, die in den Gemeinden interessante Texte veröffentlichen. Beginnen möchten wir mit den Geistlichen. Jeden Monat veröffentlichen sie interessante Texte in den jeweiligen Gemeindebriefen. Wir möchten diese hier besonders herausheben, ihnen ein kleines Forum geben, so dass sie alle Interessierten schnell finden, lesen, und sich ihre Gedanken machen können.

  • WORTE

    Thema: Was bringt uns das neue Kirchenjahr?

    Dieses Mal von Malte Koopmann

    Was bringt uns das neue Kirchenjahr? Abschied oder Anfang? Oder beides? In unserem Pfarrsprengel hat diese Frage in diesem Jahr ein besonderes Gewicht. Denn wir haben Pfarrhaus und Scheune in Hohenbruchverkauft und das dazugehörige Land verpachtet. Darum beginnen wir dieses Kirchenjahr mit einem Auszug. Nicht mit einem Umzug, denn da ist noch nichts, in das wir ziehen könnten. Ja, es gibt Baupläne für ein neues Gemeindehaus, aber bis die umgesetzt werden können, ist noch einiges an Arbeit zu erledigen und Geduld vonnöten, bis die nötigen Genehmigungen von Landeskirche und Bauaufsicht vorliegen. Darum sehen nicht wenige von uns mit Fragen und Sorgen in das neue Jahr. War es wirklich klug, das Pfarrhaus und mit ihm Geborgenheit und Sicherheit aufzugeben? Ist es vielleicht ein Fehler, nur auf Hoffnung hin auszuziehen und alles irgendwo einzulagern? Werden die Ziele, Scheune und Pfarrhaus für das Dorf zu erhalten und den Gemeindehaushalt zu sanieren, erreicht werden können?

    Natürlich kann ich hoffen, dass das Presbyterium in seiner Analyse richtig lag und darum die richtigen Entscheidungen getroffen hat. Was mir aber immer deutlicher wird: Sicherheit, richtige Entscheidungen zu treffen und das Richtige zu tun, gibt es nicht, gab es noch nie. Eindrücklich wird uns das beispielsweise schon in der alttestamentlichen Geschichte Nehemias erzählt. Nehemia ist ein Nachkomme der 587 vor Christus ins babylonische Exil geführten Juden. Er hat dort als Jude Karriere gemacht. Bei dem persischen König Artaxerxes (er regierte 40 lange Jahre auch über Israel/ Palästina) ist er Mundschenk geworden, zuständig dafür, dass im Königshaus all das auf den Tisch kommt, was nicht nur schmeckt, sondernauch bekömmlich ist. Eine wirkliche Vertrauensstellung. Nun bekommt Nehemia Besuch in der Festung Susa, heute eine der ältesten durchgehend besiedelten Städte der Welt, damals eine Hauptstadt in Persien. Sein Bruder und einige Gefährten kommen den weiten Weg aus Jerusalem (über 1000 km Luftlinie), müssen also einen wichtigen Grund haben. Und sie lassen die Katze aus dem Sack: Es geht ihnen um die Wehrhaftigkeit Jerusalems. Tore, Mauern und viele Häuser sind nur noch Schutt. Ein sichtbares Denkmal für die Schmach der militärischen Kapitulation, aber auch eine Gefahr für die Sicherheit des inzwischen wieder eingeweihten Tempels. Das trifft den Exiljuden Nehemia an einer empfindlichen Stelle. Er findet keine Ruhe mehr. Tagelang leidet er darunter. Wie könnte er so tun, als ginge ihn das nichts an? Mit wem soll er aber reden? Er fürchtet sich vor seinem König! Darum wendet er sich an Gott: Auch wenn der nicht verhindert hat, dass die Israeliten überhaupt erst in dieseLage gekommen ist. Auch wenn Nehemia nicht sicher sein kann, dass seine Sache auch Gottes Sache ist. Nehemia bringt sein Anliegen dennoch im Gebet vor Gott. Er bittet um Mut, mit dem König über die Sache zu sprechen. Und Gott lässt ihn diesen Mut finden. Bei nächst bester Gelegenheit lässt Nehemia den König sehen, wie traurig er gerade ist. Und der König verhält sich nicht wie ein Tyrann, sondern wie ein guter Freund (ein Dienstherr mit seelsorgerlichen Qualitäten- wohl dem, der in seinem Leben so etwas erleben darf). Der König redet nicht nur, er hört, sieht und fragt: Was bedrückt dich? Jetzt kann sich Nehemia seine Idee vom Herzen reden. Er bittet den König um nicht mehr oder weniger als um Unterstützung, Jerusalem wieder zu einer Festung zu machen. Der König weiß, dass das ein politisch riskantes Unternehmen ist. Aber er weiß auch, was ein Freund wert ist und wie man Freundschaften erhält. Und dass leidende Untertanen keine loyalen Untertanen sind. Darum sind König und Königin sich bald einig: Sie lassen ihren Mundschenk ziehen. Und geben ihm all das mit, was er zu einem erfolgreichen Bau dringend nötig hat: Königliche Sendschreiben für Schutz, Bauholz und Steine. Damit zieht Nehemia los und schafft es in der Folge, die Jerusalemer zum Handeln zu überreden: Auf, lasst uns bauen! Und sie bauen...

    Nehemias Geschichte zeigt, wie einen der Mut verlassen kann und wie der durch eine intensive Beziehung zu Gott wieder neu erweckt werden kann. Wie man Schwierigkeiten, vor die man sich gestellt sieht, nicht allein mit sich selbst ausmacht, sondern vor Gott bringt, um dessen Haltung und Hilfe zu erfahren. Niemand kann je sicher sein, was das Leben ihm bringt. Wer aber auf Gottes Hilfe setzt, wird sie erfahren - in Erfolg und Misserfolg. So liegt vor uns also ein gesegnetes neues Kirchenjahr, wenn wir das, was es bringen wird, im Gebet vor Gott bringen und Gottes Hilfe annehmen.

    Pfarrer Malte Koopmann

    Quelle: Gemeindeblatt des Evangelisch-reformierten Pfarrsprengels Brandenburg-Hohenbruch. Dezember 2017 - Februar 2018. Malte Koopmann.

Worte des Monats

Februar 2018

Wörter und die Sprache als Impuls unserer Zivilisierung. Jürgen Kaiser über das 5. Buch Mose.

  • offenes Buch
  • Über die Worte

    Diese neue Sektion auf der Seite des Reformierten Kirchenkreises widmet sich den Mitgliedern, die in den Gemeinden interessante Texte veröffentlichen. Beginnen möchten wir mit den Geistlichen. Jeden Monat veröffentlichen sie interessante Texte in den jeweiligen Gemeindebriefen. Wir möchten diese hier besonders herausheben, ihnen ein kleines Forum geben, so dass sie alle Interessierten schnell finden, lesen, und sich ihre Gedanken machen können.

  • WORTE

    Thema: Wörter und die Sprache als Impuls unserer Zivilisierung.

    Dieses Mal von Jürgen Kaiser

    Reden, reden, reden. Eltern und Lehrer, Pfarrer und Politiker, Fußballtrainer und Psychologen haben nur ihre Worte, um auf Kinder, Schüler, Gemeindemitglieder, Wähler, Fußballspieler und Gestresste, Verängstigte und Traurige einzuwirken. Wenn wir andere Menschen motivieren wollen, dann haben wir nichts anderes zur Verfügung als die Wörter und die Sprache. Nur indem wir auf sie einreden, sie bitten, mahnen, überzeugen, argumentieren, werben, im äußersten Fall auch drohen - können wir andere dazu bewegen, etwas in unserem Sinne zu tun. Die Kunst, allein mit Woren zu motivieren, nennt man Rhetorik. Die Worte so wählen und setzen, dass sie zu Herzen gehen.

    Reden, reden, reden. Hauen und Schlagen, Prügeln und Treten sind tabu. Physische Gewalt darf man nicht mehr einsetzen, um sich einen anderen gefügig zu machen. Selbst die Träger des staatlichen Gewaltmonopols, Polizisten etwa, dürfen nicht handgreiflich werden, sondern sind angehalten, mit Worten deeskalierend zu wirken. Eine Ansprache halten, nennt man das auch bei der Polizei. Nur wenn ihre Worte das Herz der Angesprochenen nicht erreichen, dürfen Polizisten Gewaltmaßnahmen ergreifen, um größere Gefahren zu verhindern. Aber nur sie. Eltern, Lehrer, Pfarrer und Politiker dürfen solchen „Nachdruck“ nicht anwenden. Wenn ihre Worte das Herz der Angesprochenen nicht erreichen und wirkungslos bleiben, dann müssen sie andere Worte finden und die Ansprache ändern.

    All dies ist das Ergebnis eines langen Zivilisationsprozesses, der noch nicht zu Ende ist. Die Menschheit zivilisiert sich, indem sie Gewalt eindämmt, sie ordnet und kontrolliert. Zivilisierung bedeutet, der verbalen Sprache den Vorzug zu geben vor der Sprache der Gewalt. Und seit den „68ern“ sind wir auch sensibel für eine gewaltfreie Sprache, die den anderen nicht einschüchtert, sondern ihm die Freiheit lässt.

    Ich überlege, ob das Alte Testament, insbesondere das fünfte Mosebuch, nicht einen entscheidenden Impuls zu diesem Teil unserer Zivilisierung beigesteuert hat. Deutlich gewinnt dort die Überzeugung Gestalt, dass Gott durch sein Wort herrscht. Gott wirkt auf Menschen ein, indem er ihnen seine Worte ins Herz legt. Er hat Mose seine Satzungen, Regeln, Gebote, Verheißungen gegeben - in verständlicher Form, so dass man die Worte beherzigen kann. Keine göttliche Geheimsprache, keine dunklen Orakel, die nur Eingeweihte zu deuten wissen, sondern eine Sprache, die jeder versteht. Das Gebot „ist nicht zu schwer für dich und nicht zu fern. Es ist nicht im Himmel, so dass du sagen müsstest: Wer steigt für uns in den Himmel hinauf und holt es uns und verkündet es uns, damit wir danach handeln können? Es ist auch nicht jenseits des Meeres, so dass du sagen müsstest: Wer fährt für uns über das Meer und holt es uns und verkündet es uns, damit wir danach handeln können?“ (5. Mose 30,11-13)

    Der Gott Israels als Schöpfer und Initiator der Zivilisierung. Ein Gott, der redet, der bittet, mahnt, gebietet, tröstet, lehrt und verspricht. Sonst ist im Alten Testament auch zu lesen, dass Gott unmittelbar und handgreiflich auf die Geschehnisse einwirkt. Aber das 5. Mosebuch stellt uns Gott weniger als Kriegsherr denn als einen Rhetoriker vor. Diese Sicht ist im Laufe der Deutungsgeschichte die vor- herrschende geworden. Gott sei Dank! Reden, reden, reden. Es bleibt Gott und uns nichts anderes übrig. Und das ist gut so!

    Pfarrer Jürgen Kaiser

    Quelle: Die Hugenottenkirche. Februar 2018. Pfarrer Jürgen Kaiser.

Worte des Monats

März 2018

Mit dem Aschermittwoch hat die Passionszeit begonnen. Christen erinnern sich in den rund sieben Wochen vor Ostern an die Leidensgeschichte Jesu, an Verrat, Verurteilung und Kreuzigung.

  • offenes Buch
  • Über die Worte

    Diese neue Sektion auf der Seite des Reformierten Kirchenkreises widmet sich den Mitgliedern, die in den Gemeinden interessante Texte veröffentlichen. Beginnen möchten wir mit den Geistlichen. Jeden Monat veröffentlichen sie interessante Texte in den jeweiligen Gemeindebriefen. Wir möchten diese hier besonders herausheben, ihnen ein kleines Forum geben, so dass sie alle Interessierten schnell finden, lesen, und sich ihre Gedanken machen können.

  • WORTE

    Thema: die Passionszeit - Zum besseren Verständnis; eine Geschichte

    Dieses Mal von Mirko Wittich

    Mit dem Aschermittwoch hat die Passionszeit begonnen. Christen erinnern sich in den rund sieben Wochen vor Ostern an die Leidensgeschichte Jesu, an Verrat, Verurteilung und Kreuzigung. Eine Zeit der liturgischen Schlichtheit und für manche Christen eine Zeit des Verzichts. Für mich jedoch ist es keine Zeit der Trübseligkeit und des Haderns, sondern Zeit, ein Geheimnis zu betrachten. Jesus Christus, Gott und Mensch, geht den Weg ans Kreuz zu unserer Erlösung. Früher habe ich mich oft gefragt, warum musste das sein, warum musste gerade Er sterben? Hätte er nicht ein Wunder vollbringen können, wie er es so oft tat? Es müsste doch für ihn ein leichtes sein, die gesamte jüdische wie römische Nomenklatura davon zu jagen oder zumindest wie Elija direkt in den Himmel entrückt zu werden. Und der Vater ist ja auch noch da, was hindert ihn, mit seiner Allmacht dreinzuschlagen? Das ist menschliches Denken, Gott tickt anders. Zum besseren Verständnis für mich als damaligen Neuling im christlichen Glauben erzählte mir ein älterer Bruder eine Geschichte:

    Der Kapitän eines Schiffes auf hoher See bemerkt, dass die Nahrungsvorräte rapide schwinden. Irgendwer muss hier stehlen! Er verkündet, jeder Diebstahl wird mit 50 Stockhieben bestraft. Eine harte Maßnahme, aber es droht ja der Hungertod. Einige Tage später schnappt die Falle zu, und man erwischt den Übeltäter. Doch der Kapitän wird bleich, es ist seine Mutter, die mit ihm reist. Er kann das erlassene Gesetz nicht zurücknehmen, kann keine Ausnahme machen. Er würde jeden Respekt bei der Mannschaft verlieren, und es wäre einfach ungerecht. Andererseits weiß er, dass seine gebrechliche Mutter die Stockhiebe nie überleben würde. Alle warten gespannt auf die Reaktion des Kapitäns. Er beschließt, die Strafe anstelle seiner Mutter auf sich zu nehmen.

    Solche Geschichten und Bilder hinken natürlich immer etwas. Und doch steckt eine Wahrheit drin. Gottes Gesetz ist heilig und gerecht. Und doch kann selbst der Frömmste unter uns das Gesetz nicht vollkommen halten. Was soll Gott tun? Die uns zustehende Strafe würde für uns den Tod bedeuten. Das Gesetz aufzuheben wäre ungerecht. Jesus trägt all das, was eigentlich uns bestimmt war. Wenn Gott auf uns schaut, sieht er nicht mehr den sündhaften Menschen, sondern das Erlösungswerk seines Sohnes.

    Wir stehen mit einer weißen Weste da. Wie sehr muss dieser Gott uns lieben, dass er erst in Jesus Mensch wird, sich herabbegibt in unsere Niederungen und dann auch noch zu unserer Rettung ans Kreuz geht. Menschlich ist das alles schwer verständlich. Warum muss überhaupt Einer für Andere sterben? Gibt es da keine humanere Lösung? Wir werden Gottes Handeln nie vollumfänglich verstehen, manches bleibt ein Geheimnis. Uns bleibt, dankbar anzunehmen, was Er für uns getan hat und ihn zurückzulieben. Ich wünsche Ihnen eine nachdenkliche Passionszeit und ein gesegnetes Osterfest.

    Mirko Wittich

    Quelle: Gemeindeblatt des Evangelisch-reformierten Pfarrsprengels Brandenburg-Hohenbruch. März - Mai 2018. Mirko Wittich.

Worte des Monats

April 2018

Die Evangelisten Matthäus, Markus Lukas und Johannes legen jeweils ihre eigenen Schwerpunklte und ihre eigene Theologie in ihre Berichte über das Leben Jesu. Die größte Übereinstimmung in ihren Evangelien findet sich in der Beschreibung der Kreuzigung Jesu.

  • offenes Buch
  • Über die Worte

    Diese neue Sektion auf der Seite des Reformierten Kirchenkreises widmet sich den Mitgliedern, die in den Gemeinden interessante Texte veröffentlichen. Beginnen möchten wir mit den Geistlichen. Jeden Monat veröffentlichen sie interessante Texte in den jeweiligen Gemeindebriefen. Wir möchten diese hier besonders herausheben, ihnen ein kleines Forum geben, so dass sie alle Interessierten schnell finden, lesen, und sich ihre Gedanken machen können.

  • WORTE

    Thema: Der Tod Jesu im Spiegel der Evangelisten

    Dieses Mal von Meike Waechter

    Die Evangelisten Matthäus, Markus Lukas und Johannes legen jeweils ihre eigenen Schwerpunklte und ihre eigene Theologie in ihre Berichte über das Leben Jesu. Die größte Übereinstimmung in ihren Evangelien findet sich in der Beschreibung der Kreuzigung Jesu. Alle vier schildern die Kreuzigung ausführlich und detailliert.

    Trotz der großen Übereinstimmung unterscheiden sie sich wiederum in ganz zentralen Punkten. So überliefern sie unterschiedliche letzte Worte, die Jesus sterbend am Kreuz spricht. Damit legen sie auf diese letzten Worte ein besonderes Gewicht. Die letzten Worte können als Deutung für das ganze Leben Jesu gelesen werden oder als abschließenedes Vermächtnis, das gleichzeitig neue Perspektiven eröffnet.

    Matthäus und Markus betonen die menschliche Seite Jesu, indem sie seinem Leiden am Kreuz Raum geben. Als letzte Worte überliefern sie den Schrei Jesu, der seine Verzweiflung und Gottverlassenheit zum Ausdruck bringt:

    Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

    Ganz anders der Evangelist Johannes. Er betont Jesu göttliche Seite und seine Souveränität. Bis zum Schluss bleibt er der Handelnde, der das Geschehen beeinflusst und in der Hand hat. So schreibt Johannes:

    Jesus spricht: Es ist vollbracht! Und er neigte das Haupt und verschied.

    Aus diesen letzten Worten spricht Johannes Perspektive auf Jesu ganzes Leben und Tod. Zwei Aspekte kommen hier zum Ausdruck.

    a) Es ist vollbracht - bezieht sich auf die Sendung Jesu Christi: In seinem Tod vollendet sich die Offenbarung Gottes, von der sein ganzes Leben Zeugnis ablegt.

    b) Es ist vollbracht - beschreibt auch die Vollendung der Liebe Christi zu den Seinen. Jesu Tod ist der Höhepunkt seiner Hingabe.

    Wir wissen nicht, welche Worte Jesus tatsächlich sterbend am Kreuz sprach. Das ist jedoch auch gar nicht entscheidend. Denn die vier Evangelisten geben uns durch ihre unterschiedlichen Interpretationen des Todes Jesu die Möglichkeit, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen. Dadurch wird deutlich, dass sich Jesu Leben und Tod auf vielfältige Art und Weise deuten lässt. Und wir werden herausgefordert, immer wieder zu hinterfragen, welche Deutung uns persönlich wichtig ist.

    Meike Waechter

    Quelle: Die Hugenottenkirche. März 2018. Meike Waechter.

    Bibelkontext: Matthäusevangelium - Der Tod Jesu

    45 Von der sechsten Stunde an kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde. 46 Um die neunte Stunde aber schrie Jesus mit lauter Stimme: Eli, Eli, lema sabachtani!, das heisst: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen! 47 Als einige von denen, die dort standen, das hörten, sagten sie: Der ruft nach Elija. 48 Und sogleich lief einer von ihnen hin und nahm einen Schwamm, tränkte ihn mit Essig, steckte ihn auf ein Rohr und gab ihm zu trinken. 49 Die anderen aber sagten: Lass doch, wir wollen sehen, ob Elija kommt und ihn rettet. 50 Jesus aber schrie noch einmal mit lauter Stimme und verschied. 51 Und siehe da: Der Vorhang im Tempel riss entzwei von oben bis unten, und die Erde bebte, und die Felsen barsten, 52 und die Gräber taten sich auf, und die Leiber vieler entschlafener Heiliger wurden auferweckt. 53 Nach der Auferweckung Jesu kamen sie aus den Gräbern hervor und zogen in die heilige Stadt und erschienen vielen. 54 Als aber der Hauptmann und seine Leute, die Jesus bewachten, das Erdbeben sahen und was da geschah, fürchteten sie sich sehr und sagten: Ja, der war wirklich Gottes Sohn! 55 Es waren dort viele Frauen, die von ferne zuschauten; sie waren Jesus aus Galiläa gefolgt und hatten ihn unterstützt. 56 Unter ihnen waren Maria aus Magdala und Maria, die Mutter des Jakobus und des Josef, und die Mutter der Söhne des Zebedäus.

    Matthäus 27, 45-56

    Bibelkontext: Markusevangelium - Der Tod Jesu

    33 Und zur sechsten Stunde kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde. 34 Und in der neunten Stunde schrie Jesus mit lauter Stimme: Eloi, eloi, lema sabachtani!, das heisst: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen! 35 Und einige von denen, die dabeistanden und es hörten, sagten: Hört, er ruft nach Elija! 36 Da lief einer hin, tränkte einen Schwamm mit Essig, steckte ihn auf ein Rohr und gab ihm zu trinken, und er sagte: Lasst mich, wir wollen sehen, ob Elija kommt und ihn herabnimmt. 37 Da stiess Jesus einen lauten Schrei aus und verschied. 38 Und der Vorhang im Tempel riss entzwei von oben bis unten. 39 Als aber der Hauptmann, der ihm gegenüberstand, ihn so sterben sah, sagte er: Ja, dieser Mensch war wirklich Gottes Sohn! 40 Es waren aber auch Frauen da, die von ferne zuschauten, unter ihnen Maria aus Magdala und Maria, die Mutter des Jakobus des Kleinen und des Jose, und Salome, 41 die ihm gefolgt waren und ihn unterstützt hatten, als er in Galiläa war, und noch viele andere Frauen, die mit ihm nach Jerusalem hinaufgezogen waren.

    Markus 15, 33-41

    Bibelkontext: Johannesvangelium - Kreuzigung und Tod Jesu

    Sie übernahmen nun Jesus. 17 Er trug sein Kreuz selber und ging hinaus zu der sogenannten Schädelstätte, die auf Hebräisch Golgota heisst. 18 Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere, auf jeder Seite einen, in der Mitte aber Jesus. 19 Pilatus liess auch eine Tafel beschriften und sie oben am Kreuz anbringen. Darauf stand geschrieben: Jesus von Nazaret, der König der Juden. 20 Diese Inschrift nun lasen viele Juden, denn die Stelle, wo Jesus gekreuzigt wurde, lag nahe bei der Stadt. Sie war in hebräischer, lateinischer und griechischer Sprache verfasst. 21 Da sagten die Hohen Priester der Juden zu Pilatus: Schreibe nicht: Der König der Juden, sondern dass er gesagt hat: Ich bin der König der Juden. 22 Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben. 23 Nachdem nun die Soldaten Jesus gekreuzigt hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier Teile daraus, für jeden Soldaten einen Teil, dazu das Untergewand. Das Untergewand aber war ohne Naht, von oben an am Stück gewoben. 24 Da sagten sie zueinander: Wir wollen es nicht zerreissen, sondern darum losen, wem es gehören soll. So sollte die Schrift in Erfüllung gehen, die sagt: Sie haben meine Kleider unter sich verteilt, und über mein Gewand haben sie das Los geworfen. Das also taten die Soldaten. 25 Beim Kreuz Jesu aber standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala. 26 Als nun Jesus die Mutter und den Jünger, den er liebte, neben ihr stehen sieht, sagt er zur Mutter: Frau, da ist dein Sohn. 27 Dann sagt er zum Jünger: Da ist deine Mutter. Und von jener Stunde an nahm der Jünger sie zu sich. 28 Danach spricht Jesus im Wissen, dass schon alles vollbracht ist: Mich dürstet! So sollte die Schrift an ihr Ziel kommen. 29 Ein Gefäss voll Essig stand da, und so tränkten sie einen Schwamm mit Essig, steckten ihn auf ein Ysoprohr und führten ihn zu seinem Mund. 30 Als Jesus nun den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht. Und er neigte das Haupt und verschied.

    Johannes 19, 17-30

    Bibelkontext: Lukasevangelium - Der Tod Jesu

    44 Und es war schon um die sechste Stunde, und eine Finsternis kam über das ganze Land bis zur neunten Stunde, 45 und die Sonne verfinsterte sich; und der Vorhang im Tempel riss mitten entzwei. 46 Und Jesus rief mit lauter Stimme: Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist. Mit diesen Worten verschied er. 47 Als aber der Hauptmann sah, was da geschah, pries er Gott und sagte: Dieser Mensch war tatsächlich ein Gerechter! 48 Und alle, die sich zu diesem Schauspiel zusammengefunden und gesehen hatten, was da geschah, schlugen sich an die Brust und gingen nach Hause. 49 Alle aber, die ihn kannten, standen in einiger Entfernung, auch die Frauen, die ihm aus Galiläa gefolgt waren, und sahen alles.

    Lukas 23, 44-49

Worte des Monats

Mai 2018

Der Monatsspruch vom April 2018 erzählt, wie der Auferstandene Jesus seine Freunde besucht, sich ihnen zeigt. Sie hatten sich die letzten Tage zurückgezogen aus Angst und Trauer, sie hatten die Türen verschlossen. Doch der Auferstandene kommt hinter die verschlossene Tür, kommt ihnen nah, kommt mitten unter sie spricht zu ihnen.

  • offenes Buch
  • Über die Worte

    Diese neue Sektion auf der Seite des Reformierten Kirchenkreises widmet sich den Mitgliedern, die in den Gemeinden interessante Texte veröffentlichen. Beginnen möchten wir mit den Geistlichen. Jeden Monat veröffentlichen sie interessante Texte in den jeweiligen Gemeindebriefen. Wir möchten diese hier besonders herausheben, ihnen ein kleines Forum geben, so dass sie alle Interessierten schnell finden, lesen, und sich ihre Gedanken machen können.

  • WORTE

    Thema: Jesus Worte, Friede sei mit euch!

    Dieses Mal von Carolin Springer

    Der Monatsspruch
    "Jesus Christus spricht: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch."
    stammt aus dem Johannesevangelium (Joh 20,21). Es wird erzählt, wie der Auferstandene seine Freunde besucht, sich ihnen zeigt. Sie hatten sich die letzten Tage zurückgezogen aus Angst und Trauer, sie hatten die Türen verschlossen. Doch der Auferstandene kommt hinter die verschlossene Tür, kommt ihnen nah, kommt mitten unter sie und spricht:

    "Friede sei mit euch! – Friede, Wohlbefinden, Heil.
    Friede sei mit euch! - Friede euren traurigen und schmerzenden Herzen, euren verzweifelten Seelen, Friede euch, die ihr voller Angst seid, die ihr euch vor der Zukunft fürchtet. Frieden euren zweifelnden Herzen, die nicht mehr glauben können an Gott, an seine Worte des Lebens, an seine Verheißungen. Friede euch, die ihr die Türen verschließt. Friede sei mit euch, die ihr keine Kraft mehr habt der Welt in ihr böses Gesicht zu blicken, die ihr die Hoffnung verloren habt, dass das Gute in der Welt Bestand hat. Friede sei mit euch, die ihr nicht glauben könnt, dass der Tod seine Macht verloren hat und das Leben siegt.
    Friede sei mit euch! - Ein Wunsch, ein Gruß, ein Gebet. Wertvolle Worte, die wir uns viel häufiger zusprechen sollten. Nicht nur im Gottesdienst. Friede sei mit euch! – können wir nicht oft genug einander wünschen und von Gott erbitten.

    Und so spricht auch Jesus nicht nur einmal diese Worte. Nachdem sich der Friede in den Herzen der Jünger langsam einstellt und sie froh werden, wie es bei Johannes heißt, spricht Jesus ein weiteres Mal: Friede sei mit euch! Nun aber setzt er einen Auftrag hinterher: Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.Mit Friede im Herzen, getröstet und ermutigt, sendet er sie hinaus in die Welt. In eine Welt, die Angst machen kann. Zu Menschen, die verletzen können an Leib und Seele. Und weil Jesus darum weiß, deshalb spricht er ihnen auch zuvor den Frieden zu, kümmert sich um die, die sich nachher um andere kümmern sollen.

    Friede sei mit euch! – diese Worte gelten auch uns. Auch um unsere Seelen und Herzen sorgt sich der Auferstandene. Friede sei mit euch! – das wird uns manchmal durch ihn so lange zugesagt und eingeflüstert, bis wir wieder froh werden.Dann aber, wenn wir wieder froh sind, dann hindert uns nichts daran, uns aufzumachen in Gottes Namen, raus in die Welt, raus zu den Menschen, raus zu denen, die uns brauchen und auch zu denen, die es uns schwer machen.Bevor die Jünger die Tür öffnen und schließlich hinausgehen, bläst Jesus sie an und spricht: „Nehmt hin den Heiligen Geist!“. Froh, mit Frieden im Herzen und ausgestattet mit dem Heiligen Geist gehen sie hinaus, gehen wir hinaus, erzählen durch Wort und Tat vom Gott des Lebens und beten für die, die seinen Frieden brauchen.

    In diesem Sinne: Friede sei mit euch!

    Carolin Springer

    Quelle: Gemeindeblatt der Evangelisch- reformierten Bethlehemsgemeinde. April–Mai 2018. Carolin Springer.

Worte des Monats

Juni 2018

Wer über den Monatsspruch für diesen Juni nachdenkt, kann damit einen neuen Anlauf unternehmen, das Verhältnis zu den Nachbarn neu zu bestimmen. Zu den Nahen und den Fernen.

  • offenes Buch
  • Über die Worte

    Diese neue Sektion auf der Seite des Reformierten Kirchenkreises widmet sich den Mitgliedern, die in den Gemeinden interessante Texte veröffentlichen. Beginnen möchten wir mit den Geistlichen. Jeden Monat veröffentlichen sie interessante Texte in den jeweiligen Gemeindebriefen. Wir möchten diese hier besonders herausheben, ihnen ein kleines Forum geben, so dass sie alle Interessierten schnell finden, lesen, und sich ihre Gedanken machen können.

  • WORTE

    Thema: Nachgedacht: Wer ist da an der Tür?

    Dieses Mal von Malte Koopmann

    Kaum ist man auf dieser Welt, hat man sie. Noch vor der Taufe, manchmal schon, bevor man seinen Vornamen hat. Nachbarn: Egal ob im Nachbarbett der Säuglingsstation oder, zuhause geboren, im Haus nebenan. Und das gibt es immer irgendwo, selbst im unendlichen schwedischen Wald, wo es schon passieren kann, dass man zu Fuß den Weg dahin nicht an einem Tag schaffen würde. Kein Wunder,dass die Skandinavier schon in den 1930er Jahren ein nahezu flächendeckendes Telefonnetz hatten. Da konnte man wenigstens vorher anrufen und nachfragen, ob ein Nachbarschaftsbesuch denn genehm wäre.

    Wenn meine schwedischen Freunde Recht haben, hat das allerdings irgendwann dazu geführt, dass Besuche untereinander immer mehr abnahmen. Kann man doch am Telefon klären, wenn etwas zu klären war. Und sehen kann man sich beim Einkauf im Supermarkt. Der hat seit Jahrzehnten im evangelisch-lutherischen Schweden lange und selbst sonntags geöffnet. Für nicht wenige ist das sogar Ersatz für die persönlichen Begegnungen im Gottesdienst geworden. Für mich war das eine interessante Entdeckung: Da fahren viele Schweden wirklich weite Strecken am Sonntagvormittag in den Supermarkt, um dort ein paar Kleinigkeiten wie Streichhölzer oder eine Flasche Öl oder ein Sixpack Bier zu kaufen. Und dann stehen sie vor oder hinter der Kasse und schwatzen mit ihren Nachbarn, den nahen und fernen.

    Irgendwie haben wir hier im Osten Deutschlands diese Entwicklung, die in Schweden Jahrzehnte dauerte, komprimiert in sehr kurzer Zeit am eigene Leibe erfahren. Bis 1989 waren Besuche selbstverständlich, ja nahezu erzwungen. Man musste beim Nachbarn klingeln, wenn Eier oder Salz zum Kochen ausgegangen waren und der Konsum geschlossen hatte. Ein eigenes Telefon hatte ja kaum jemand. Nach 1989 revolutionierten sich dann unsere Kommunikationsmöglichkeiten: Telefone, Handys, E-Mails und Smartphone-Apps drangen in nur wenigen Jahren in unseren Alltag. Und änderten auch unter uns die Besuchsgewohnheiten.

    Wer über den Monatsspruch für diesen Juni nachdenkt, kann damit einen neuen Anlauf unternehmen, das Verhältnis zu den Nachbarn neu zu bestimmen. Zu den Nahen und den Fernen. „Vergesst nicht, gastfrei zu sein. Durch ihre Gastfreundlichkeit haben einige, ohne es zu wissen, Engel bei sich aufgenommen.“ (Hebräer 13,2) Ein polnisches Sprichwort sagt es kürzer so: „Gast im Haus ist Gott im Haus.“ Grundsätzlich ist das ja auch wahr, ist nach jüdisch-christlicher Überzeugung doch jeder Mensch Ebenbild Gottes. Doch unter diesen Ebenbildern gibt es eben nicht wenige, die es einem schwer machen, sie zu mögen. Leider: Sonst bräuchten wir keine Polizei mit Spezialisten für Einbruchdiebstahl oder gar Kapitalverbrechen. Und auch niemanden, der entscheiden muss, ob ein Mensch in rechtsstaatlicher Sicht Flüchtling ist oder nicht. Und weniger schwerwiegend: „Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt“ - das ist nicht nur bei Friedrich Schiller zu lesen. Das erleben viele Menschen wesentlich öfter, als es gut sein kann. Und dann klingelt es an der Tür, draußen steht einer auf Wanderschaft und hätte gern ein Nachtquartier...

    Bei der Entscheidung, ob man einen Fremden einlässt oder nicht, hilft einem der Monatsspruch nicht wirklich weiter. „Risiken und Nebenwirkungen“ einzuschätzen kann einem niemand abnehmen. Aber er hilft, die Chancen zu durchdenken, die ein Besuch hat. Bei allen Risiken, die ein Besuch birgt, gibt es nämlich auch sehr oft „Gastgeschenke“. Vor allem, wenn Engel zu Besuch waren. Sie ändern Denkrichtungen, lassen einen etwas neu organisieren, zeigen einen anderen Blickwinkel. Bringen Nähe und Ausgelassenheit in das eigene Leben. Oder eine Flasche Wein, die ich noch nie probiert habe.

    Egal, ob ich besucht werde oder besuche: Es gibt Grund genug, die Tür öfter wieder zu öffnen, Gäste einzuladen oder sich auch selbst einzuladen, „Umstände zu machen“ und die „Mauern“ um sich herum zumindest etwas abzusenken. Denn Gott hält Engelserfahrungen für mein Leben bereit.

    Malte Koopmann

    Quelle: Gemeindeblatt des Evangelisch-reformierten Pfarrsprengels Brandenburg-Hohenbruch. Juni - August 2018. Malte Koopmann.

Worte des Monats

Juli 2018

Die Sonne wird wieder stärker. Draußen grünt und blüht alles. Der Sommer kommt. Alles wirkt heller, frischer und freundlicher. Der Sommer ist für viele die Zeit des Reisens, die Zeit des Genießens der bunten Schöpfung Gottes und die Zeit vielfältiger Begegnungen. Der Monatsspruch für den Juli lädt uns ein, offen zu sein für unsere Mitmenschen...

  • offenes Buch
  • Über die Worte

    Diese neue Sektion auf der Seite des Reformierten Kirchenkreises widmet sich den Mitgliedern, die in den Gemeinden interessante Texte veröffentlichen. Beginnen möchten wir mit den Geistlichen. Jeden Monat veröffentlichen sie interessante Texte in den jeweiligen Gemeindebriefen. Wir möchten diese hier besonders herausheben, ihnen ein kleines Forum geben, so dass sie alle Interessierten schnell finden, lesen, und sich ihre Gedanken machen können.

  • WORTE

    Thema: Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt. (Hebräer 13,2)

    Dieses Mal von Gérôme Kostropetsch

    Die Sonne wird wieder stärker. Draußen grünt und blüht alles. Der Sommer kommt. Alles wirkt heller, frischer und freundlicher. Der Sommer ist für viele die Zeit des Reisens, die Zeit des Genießens der bunten Schöpfung Gottes und die Zeit vielfältiger Begegnungen. Der Monatsspruch für den Juli lädt uns ein, offen zu sein für unsere Mitmenschen. Wir können Gott am besten dienen, wenn wir anderen gegenüber zugewandt sind, Gutes tun und dies mit anderen teilen.

    Dabei spricht der Monatsspruch nicht nur über die Menschen, die wir bereits kennen und gerne zu uns einladen. Gerade in der Begegnung mit fremden, uns unbekannten Menschen, können wir Gott einen guten Dienst tun, wenn wir die Gastfreundschaft nicht vergessen. Wenn wir unsere Arme öffnen und freundlich, in Nächstenliebe, andere willkommen heißen. Das sind manchmal diese unverhoften Begegnungen. Ich treffe neue Personen und komme mit ihnen ins Gespräch. Dabei kann sich Sympathie auf beiden Seiten einstellen und ich spüre, dass die andere Person mir guttut.

    Daran hat auch Gott Gefallen. Er möchte, dass wir ein erfülltes Leben haben und die Liebe, die er uns schenkt, weitergeben. Er traut uns zu, dass wir verantwortungsbewusst mit allen seinen Kindern umgehen und wir geschwisterlich auf einander zugehen.Manch eine solche Begegnung kann uns Ganz und Gar erfüllen. Das spüren wir. Es ist dieses Gefühl, das mir sagt, alles ist gut, genauso ist es richtig, so soll es sein. So kann es passieren, dass wir Engeln begegnen. So kann es passieren, dass wir, ohne es zu ahnen, Engel bei uns zu Gast hatten. Das sind Menschen, die uns zum Segen werden. Die uns für den Moment alles Schwere vergessen lassen und wir uns einfach nur wohlfühlen.

    Solche Momente und Menschen sind kostbar. Da ist es nur recht Gott zu loben und ihm zu danken, dass er uns Menschen an die Seite stellt, die uns zum Segen werden können. Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Zeit, mit segensreichen Begegnungen. Genießen Sie den Sommer. Seien Sie offen für Begegnungen. Und vergessen Sie die Gastfreundschaft nicht, denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt.

    Gérôme Kostropetsch

    Quelle: Gemeindeblatt der Evangelisch- reformierten Bethlehemsgemeinde. Juni - August 2018. Gérôme Kostropetsch.

Worte des Monats

August 2018

Gemeinsam sprechen Konfirmanten jedes Jahr im Mai mit der ganzen Gemeinde die Worte des Apostolischen Glaubensbekenntnisses, die mit den Worten „Ich glaube an ....“ beginnen. In diesem Gottesdienst, vor der Gemeinde und ihren Familien, bekennen sie sich zum christlichen Glauben.

  • offenes Buch
  • Über die Worte

    Diese neue Sektion auf der Seite des Reformierten Kirchenkreises widmet sich den Mitgliedern, die in den Gemeinden interessante Texte veröffentlichen. Beginnen möchten wir mit den Geistlichen. Jeden Monat veröffentlichen sie interessante Texte in den jeweiligen Gemeindebriefen. Wir möchten diese hier besonders herausheben, ihnen ein kleines Forum geben, so dass sie alle Interessierten schnell finden, lesen, und sich ihre Gedanken machen können.

  • WORTE

    Thema: Die Konfirmation

    Dieses Mal von Meike Waechter

    Der Mai ist der Monat der Konfirmationen. Landauf, landab putzen sich Mädchen und Jungen heraus, um sich in einem festlichen Gottesdienst vor der Gemeinde und ihren Familien zum christlichen Glauben zu bekennen. Gemeinsam sprechen sie mit der ganzen Gemeinde die Worte des Apostolischen Glaubensbekenntnisses, die mit den Worten „Ich glaube an ....“ beginnen.

    Vor der Konfirmation haben sie den Konfirmandenunterricht besucht. In dieser Zeit lernen sie viel über die Bibel, Gott und Jesus, über den Ablauf eines Gottesdienstes, das Leben in einer Gemeinde und die großen wichtigen Themen wie die Zehn Gebote, das Glaubensbekenntnis und das Unser Vater. Lernen sie auch zu glauben?Früher mussten Konfirmanden sehr viel auswendig lernen, viele Bibelstellen, Lieder und den Katechismus. Ihr Wissen mussten sie in einer Prüfung unter Beweis stellen. Haben sie dadurch den Glauben besser gelernt als Konfirmanden heute, die nur wenig auswendig lernen müssen?

    Für mich lässt sich der Glaube eines Menschen nicht daran ablesen, wie viele Texte er auswendig kann. Glauben ist etwas ganz anderes, als Worte nachzusprechen. Der Vers aus dem Brief an die Hebräer drückt sehr schön aus, dass Glauben nichts mit Wissen oder für wahr halten zu tun hat. Andere Worte, die den Glauben umschreiben, sind Zuversicht und Hoffnung. Glauben ist ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. Wie bringt man Konfirmanden Zuversicht und Hoffnung und Nichtzweifeln bei? Das ist unendlich viel schwerer, als sie etwas auswendig lernen zu lassen.

    Ich versuche, im Konfirmandenunterricht den Jugendlichen zu vermitteln, dass die Kirche Raum gibt für ihre Hoffnungen und ihre Zuversicht, die sie in sich tragen. Wir versuchen, Hoffnung und Zuversicht in Worte zu fassen und die Worte der Hoffnung der Bibel kennen zu lernen. Dabei kann auch das Auswendiglernen von Bibeltexten oder Liedern helfen. Doch es ist auch selbstverständlich, dass diese Worte hinterfragt und überprüft werden dürfen und dass Zweifel dazugehören und ausgesprochen werden müssen. Die Jugendlichen sollen lernen, dass die Kirche der Ort ist, in Gemeinschaft nach Gott zu fragen, über und mit ihm zu sprechen.

    Wenn aus diesem Miteinander, dem Lesen in der Bibel, dem gemeinsamen Singen und den Gesprächen Glauben erwächst, wenn die Jugendlichen aus tiefstem Herzen sagen können „Ich glaube ...“ - am besten mit ihren eigenen Worten -, dann ist das ein großes Geschenk. Es ist ein Geschenk, das ihnen hilft zu leben, denn Hoffnung und Zuversicht er- möglichen Leben.

    Ich wünsche allen, die bei uns und in anderen Gemeinden konfirmiert werden, dass sie einen Funken dieses Glaubens in ihren Herzen tragen mögen und Gott ihre Konfirmation und ihr weiteres Leben begleitet.

    Meike Waechter

    Quelle: Quelle: Die Hugenottenkirche. Juli August 2018. Meike Waechter.

Worte des Monats

September 2018

Der Sommer war lang und schön. Bald liegt er hinter uns. Die Tage werden wieder kürzer. Der Herbst steht vor der Tür. Wir leben mit den Jahreszeiten. Wir teilen unser Leben in Jahre ein. Hinter uns liegt eine Vergangenheit, vor uns die Zukunft. Heute wird morgen gestern sein. Das Werden und Vergehen gehört selbstverständlich zu unserem Leben. Anders können wir uns ein Leben nicht vorstellen.

  • offenes Buch
  • Über die Worte

    Diese neue Sektion auf der Seite des Reformierten Kirchenkreises widmet sich den Mitgliedern, die in den Gemeinden interessante Texte veröffentlichen. Beginnen möchten wir mit den Geistlichen. Jeden Monat veröffentlichen sie interessante Texte in den jeweiligen Gemeindebriefen. Wir möchten diese hier besonders herausheben, ihnen ein kleines Forum geben, so dass sie alle Interessierten schnell finden, lesen, und sich ihre Gedanken machen können.

  • WORTE

    Thema: Das Werden und Vergehen

    Dieses Mal von Meike Waechter

    Der Sommer war lang und schön. Bald liegt er hinter uns. Die Tage werden wieder kürzer. Der Herbst steht vor der Tür. Wir leben mit den Jahreszeiten. Wir teilen unser Leben in Jahre ein. Hinter uns liegt eine Vergangenheit, vor uns die Zukunft. Heute wird morgen gestern sein. Das Werden und Vergehen gehört selbstverständlich zu unserem Leben. Anders können wir uns ein Leben nicht vorstellen.

    Ewigkeit ist etwas anderes. Ewigkeit ist das Gegenteil von vergehender Zeit, das Gegenteil von der Abfolge von Sommer, Herbst und Winter, von Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft, gestern, heute und morgen. Die Zeit fließt dahin. Die Ewigkeit fließt nicht. Die Ewigkeit kennt keine Abfolge. Und weil wir ein zeitloses Leben nicht kennen, ist es so schwierig von der Ewigkeit zu reden.

    Der Prediger ist ein Mensch, der die Welt beobachtet. In seinen Beschreibungen der Welt schwankt er zwischen Resignation und freudigem Staunen. Er betrachtet die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft und kommt zu dem Schluss: Was geschehen ist, eben das wird hernach sein. Was man getan hat, eben das tut man hernach wieder, und es geschieht nichts Neues unter der Sonne. (1,9) Und resigniert stellt er fest: Ich sah an alles Tun, das unter der Sonne geschieht, und siehe, es war alles eitel und Haschen nach Wind. (1,14) Das Leben in der Zeit mit seiner Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft frustriert den Prediger. Dieses Leben ist voller Mühen und Anstrengungen und das fortwährende Vergehen bringt Schmerzen und Leiden mit sich. Doch dann blitzen wieder dankbare Momente aus seinen Schriften hervor: Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt.

    Wir leben in der Zeit und nicht in der Ewigkeit. Und doch tragen wir in unseren Herzen eine Ahnung davon, was Ewigkeit bedeuten könnte. Ewigkeit ist ein Wort, das Gott beschreibt. Denn Gott lässt sich nicht befristen. Gott unterliegt nicht dem Wandel der Zeit. Ewigkeit ist nicht die Abfolge von Zeiten, sondern erfüllte, göttliche Gleichzeitigkeit. Der Prediger schreibt, dass Gott dem Menschen die Ewigkeit ins Herz gelegt hat. Wir leben nicht in der Ewigkeit, doch mit der Ewigkeit in unseren Herzen haben wir eine Ahnung davon, was Ewigkeit bedeuten könnte: Die Sehnsucht nach bleibender, zeitloser, nicht vergehender Erfüllung in Gott. Das erhoffen wir uns einst in Gottes Ewigkeit. Bis es soweit ist und solange wir noch in der Zeit leben, gibt uns der Prediger einen schönen Rat auch für die jetzt kürzer werdenden Tage mit auf den Weg: Da merkte ich, dass es nichts Besseres dabei gibt als fröhlich sein und sich gütlich tun in seinem Leben. Denn ein jeder Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinem Mühen, das ist eine Gabe Gottes.

    Meike Waechter

    Quelle: Quelle: Die Hugenottenkirche. September 2018. Meike Waechter.

Worte des Monats

Oktober 2018

Herbstzeit ist Erntezeit. Zu dieser Zeit freuen wir uns in unseren Kirchen bewusst an den Gaben, den Früchten des Feldes und des Lebens. Wir danken Gott für alles, was uns von ihm und durch ihn geschenkt wird. Es ist zudem die Zeit, in der wir uns erinnern, dass es nicht selbstverständlich ist, dass wir versorgt sind mit dem, was zum Leben nötig ist, dass Frieden herrscht und wir in Freiheit leben.

  • offenes Buch
  • Über die Worte

    Diese neue Sektion auf der Seite des Reformierten Kirchenkreises widmet sich den Mitgliedern, die in den Gemeinden interessante Texte veröffentlichen. Beginnen möchten wir mit den Geistlichen. Jeden Monat veröffentlichen sie interessante Texte in den jeweiligen Gemeindebriefen. Wir möchten diese hier besonders herausheben, ihnen ein kleines Forum geben, so dass sie alle Interessierten schnell finden, lesen, und sich ihre Gedanken machen können.

  • WORTE

    Thema: Auf, iss mit Freude dein Brot, und trink glücklichen Herzens deinen Wein, denn schon längst hat Gott Gefallen an diesem deinem Tun (Prediger 9,7).

    Dieses Mal von Carolin Springer

    Herbstzeit ist Erntezeit. Zu dieser Zeit freuen wir uns in unseren Kirchen bewusst an den Gaben, den Früchten des Feldes und des Lebens. Wir danken Gott für alles, was uns von ihm und durch ihn geschenkt wird. Es ist zudem die Zeit, in der wir uns erinnern, dass es nicht selbstverständlich ist, dass wir versorgt sind mit dem, was zum Leben nötig ist, dass Frieden herrscht und wir in Freiheit leben. Auf, iss mit Freude dein Brot, und trink glücklichen Herzens deinen Wein, denn schon längst hat Gott Gefallen an diesem deinem Tun (Prediger 9,7).

    Der Verfasser des Textes bringt in diesem Vers eine spannende Bandbreite des Lebens zusammen: Brot und Wein, Alltägliches und Besonderes, Grundlegendes und Genussvolles. Über all dies dürfen wir uns freuen, all dies schenkt uns Gott. Iss mit Freuden dein Brot – Brot ist Grundnahrung, Brot sättigt und stärkt.Es ist Lebensmittel und steht stellvertretend für alles, was lebensnot- wendig ist. Es gibt übrigens auf dem ehemaligen Todesstreifen der Berliner Mauer (an der Bernauer Straße) ein Roggenfeld. Seit über 10 Jahren schon bestellt dort die Versöhnungsgemeinde dieses Feld, erntet und backt daraus Brot. FriedensBrot! Welch schönes Symbol dafür, dass Frieden lebensnotwendig ist.

    Iss mit Freuden dein Brot – schreibt der Prediger. Das heisst für mich: ich möchte das scheinbar Alltägliche, das so einfach wirkende, bewusster annehmen. Nicht auf die Schnelle oder nebenbei. Nein, ich möchte mir Zeit nehmen für Gottes Gaben. Mit Freuden essen, mit Freude und Dankbarkeit durch die Stadt laufen - eine Stadt, in der so lange eine trennende Mauer stand. Ich darf dankbar und mit Freuden zwischen den Gemeinden unseres Pfarrsprengels hin und her fahren – ohne Grenzkontrolle, ohne Angst. Ich möchte morgens aufwachen und mich nicht nur ärgern, dass ich das gemütliche Bett verlassen muss, sondern mich freuen, dass ich lebe, dass ich aufstehen kann, dass ich versorgt bin und Arbeit habe. Auf, iss dein Brot mit Freuden!

    Und trink glücklichen Herzens deinen Wein – so heisst es weiter. Bewusst bringt der Autor nun den Genuss ins Spiel. Das Nicht-Alltägliche. Wein steht für die Lebensfreude, die Feier des Moments, das pure Glück, den Überschwang. Wein trinken wir auf Festen und mit Freunden. Auch dies ist ein Geschenk Gottes. „Das erste Wunder das Jesus tat, er Wasser in Wein verwandelt hat“ – steht übrigens auf der Kanzel einer Kapelle in den Trierer Weinbergen, wo ich einige Zeit als Pfarrerin gearbeitet habe. Dieser Satz ist mir ans Herz gewachsen. Diese Worte erinnern mich daran, dass Jesus sich auf der Hochzeitsfeier mit dem Weinwunder das erste Mal öffentlich als Wundertäter gezeigt hat. Er hat interessanterweise nicht angefangen mit dem Lebensgrundlegendem wie Gesundheit oder Nahrung - Er hat interessanterweise nicht angefangen mit dem Lebensgrundlegendem wie Gesundheit oder Nahrung – Er hat mit dem Überfluss, den Genuss, der Lebensfreunde begonnen. Er hat damit offenbart, wie gut Gott es mit uns meint.

    Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Herbstzeit, Freude am Alltäglichen und glückliche Herzen beim Genuss der besonderen Momente, die Gott uns schenkt.

    Carolin Springer

    Quelle: Quelle: Gemeindeblatt der Evangelisch- reformierten Bethlehemsgemeinde. September-Oktober 2018. Carolin Springer.

Worte des Monats

November 2018

Wenn ich Menschen im Altersheim besuche, höre ich oft ein Seufzen. Man weiß nicht, woher es kommt, aus einem der Zimmer, aus einem der Flure, manchmal ganz laut und nahe, manchmal wie aus weiter Ferne mit Hall und Echo. Ich erschrecke jedes Mal. Ich kann mich daran nicht gewöhnen. Ich frage mich, wie die Pflegekräfte das aushalten. Sie halten es aus. Sie müssen ja, was sollen sie tun? Seufzen - Ruf der hilflos Leidenden, Schreie derer, die ihren Schmerz nicht mehr in Worte fassen können. Er bleibt keinem verborgen.

  • offenes Buch
  • Über die Worte

    Diese neue Sektion auf der Seite des Reformierten Kirchenkreises widmet sich den Mitgliedern, die in den Gemeinden interessante Texte veröffentlichen. Beginnen möchten wir mit den Geistlichen. Jeden Monat veröffentlichen sie interessante Texte in den jeweiligen Gemeindebriefen. Wir möchten diese hier besonders herausheben, ihnen ein kleines Forum geben, so dass sie alle Interessierten schnell finden, lesen, und sich ihre Gedanken machen können.

  • WORTE

    Thema: Stilles Sehnen

    Dieses Mal von Jürgen Kaiser

    Wenn ich Menschen im Altersheim besuche, höre ich oft ein Seufzen. Man weiß nicht, woher es kommt, aus einem der Zimmer, aus einem der Flure, manchmal ganz laut und nahe, manchmal wie aus weiter Ferne mit Hall und Echo. Ich erschrecke jedes Mal. Ich kann mich daran nicht gewöhnen. Ich frage mich, wie die Pflegekräfte das aushalten. Sie halten es aus. Sie müssen ja, was sollen sie tun? Seufzen - Ruf der hilflos Leidenden, Schreie derer, die ihren Schmerz nicht mehr in Worte fassen können. Er bleibt keinem verborgen.

    Das Sehnen dagegen hört keiner. Es ist stumm, ein stilles Wünschen. Manchmal erkennt man im Blick eines Menschen sein Sehnen, in den offenen fragenden Augen. Aber es findet keine Worte, sich zu beschreiben. Gott sieht das Sehnen, das sonst keiner sieht. Gott hört das Seufzen, das alle überhören, weil es sonst nicht zum Aushalten ist.

    Der 38. Psalm ist ein Gebet für schwer Kranke. Er gibt ihrem stillen Sehnen und ihrem lauten Seufzen Worte. Er nennt die Leiden, spricht von brennenden Schmerzen, eitrigen Wunden, Herzrasen, Erschöpfung, Kraftlosigkeit. Seine Sinne versagen, der Kranke ist fast blind und klagt gleich zweimal: „Ich bin wie ein Tauber, höre nicht, bin wie ein Stummer, der seinen Mund nicht auftut.“ Immerhin findet dieser Kranke noch Worte, sein Leiden Gott zu beschreiben, und leiht seine Worte allen, die verstummt sind und dies nicht mehr können. Gleich zu Beginn des Psalms bittet der Kranke Gott, ihn nicht weiter zu strafen und zu züchtigen. Er kennt die Urache für sein Leiden. Es sind seine Verfehlungen, seine Sünden. Mit der Krankheit straft Gott seine Schuld.

    Ich will aus der Einsicht dieses Kranken keine allgemeine Wahrheit machen. Ich will einem Kranken nicht sagen: Du leidest, weil du gesündigt hast. Anmaßend wäre solch eine Beschuldigung. Doch Leidende stellen oft von sich aus diesen Zusammenhang her. Der lässt sich ihnen nicht einfach ausreden oder wegdiskutieren. Die Frage nach dem Warum liegt fast allen, die leiden, auf der Zunge. Sie sehnen sich nach einer Antwort. Eine Antwort können wir Menschen nicht geben. Nur Gott kann antworten. Wir können aber den Hinweis geben, dass Gott vergibt, und das gemeinsame Gebet „... vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern...“ kann ein Samenkorn der Hoffnung pflanzen.

    Jürgen Kaiser

    Quelle: Quelle: Die Hugenottenkirche. Oktober 2018. Jürgen Kaiser.

Sitemap

Logokirchenkreis Berlin Brandenburg Schlesische Oberlausitz EKBO Marke